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Tagesbefehl: 

Jungs, bombt den Frieden zurück!

(Geschrieben anlässlich des Kosovo-Einsatzes der Bundeswehr 1999)

Deutsche Jungs kämpfen wieder. An die letzten deutschen Militäralbträume um die "Festung Berlin" wollen wir uns erst gar nicht erinnern, noch weniger an "Ardennen 44". Jetzt kämpfen wir für Frieden, Freiheit und Menschenrechte. Wir sind wieder wer!

Vorerst nur in der Luft, aber die Aktionen sind alles andere als Luftschläge. Das soll nicht heißen, dass die Nato mit Jugoslawien einen Krieg führt. Es geht nur um "militärische Schläge" - in offizieller Lesart. Express weiß mehr: "Krieg in Europa". Das klingt schon anders und ist sicher nicht nur ein Grund, in Zukunft Express zu lesen, sondern ein "bisschen" panisch zu werden. Nach ein "bisschen Haushalt" und ein "bisschen Frieden" (Nicole), jetzt also ein "bisschen Krieg". Wer nicht hören will, muss eben fühlen - und das gilt nun für Slobodan Milosevic, den Serbenführer, genau so wie für den heiligen Krieger im Iran. Indes ist die außerserbische Welt alles andere als einig. Selbst die Weltpolizei USA muss sich dem Defätismus der eigenen Bürger stellen, was denn Amerika innereuropäische Probleme angehen. Zu teuer soll´s den Friedensengeln auch nicht werden. Ein neuer Ton? Zumindest die Melodie der Offiziellen ist gleich geblieben. Wir werden jetzt in Zukunft militärisch saubere Nato-Aktionen auf der Leinwand sehen. Die Zivilbevölkerung leidet bekanntlich immer nur unter der Gegenseite - unsere Bomben sind clean. Cruisemissiles treffen auf zehn Meter genau! Na ja, für den, der zufällig im Zehn-Meter-Radius steht, ist das ein schwacher Trost. Und auch militärische Einrichtungen werden bislang nicht von blutleeren Robotern betreut. Schröder zufolge geht es nur darum, das Morden im Kosovo zu beenden. Das ist legitim, aber wie immer lässt sich auch hier nur der Teufel mit Beelzebub austreiben. Keine Aktion richte sich gegen das serbische Volk, meint Clinton. Fraglich nur, ob die Ausgebombten das auch so sehen. Wer die Raketen schickt, ist den Opfern regelmäßig egal, vor allem, wenn sie nicht mehr sprechen können. Hätte man länger verhandeln sollen? Da kann man nur mit dem Pink Panter fragen: "Wer hat denn an der Uhr gedreht, war es wirklich schon so spät?" Jetzt stellt sich die Frage: "Wann hören wir wieder auf?" Und die Frage ist mindestens so schwer zu beantworten. Milosevic und Saddam gehören zu den Leuten, die nach "militärischen Schlägen" wie beleidigte Kinder nach Prügeln reagieren: "Hat gar nicht wehgetan, Ätsch!" Vielleicht tut es aber doch ein "bisschen weh" und die Kalkulation von Diktatoren, dass die Nation von einem Willen, dem Willen zum Durchhalten, geeint wird, könnte falsch sein. Irgendwann endet die ethnische Solidargemeinschaft, wenn die einen im Dreck verrecken, die anderen aber in den Kommandoständen verharren. Aber auch die Nato kann auf die Geduld der Bevölkerungen nicht endlos bauen. Wann wird nach den ersten Dementis die erste Natomaschine vom Himmel gepflückt? Nicht jeder Abschuss endet im Happyend des Schleudersitzes. Sollte der Serben-Führer über bessere Flugkartätschen als der Diktator von Bagdad verfügen? Tut er! Die Russen haben die Serben mit S-300 Flugabwehrwaffen ausgerüstet. Spielverderber. Das war hoch unfair gegenüber unserem Konzept sauberer Militärschläge und da sehen wir erst mal schwarz in Sachen Wirtschaftshilfe für den angeschlagenen Bären. Aber das jugoslawische Szenario ist noch weit prickelnder als das Golf-Abenteuer. Express zeigt die Reichweite der serbischen Raketen: Pfeile auf Berlin und München. Die 15 serbischen Mig 29 haben eine Reichweite von 2.100 km. Da kann sich schon mal eine Siegessäule in Rauch auflösen. Guckt euch mal die Landkarte an, das sieht ungemütlich aus. Aber Express beruhigt sogleich: Solche Flugangriffe hätten nur symbolischen Charakter. Vielleicht sind Tote ja auch Symbole, aber Blut ist bekanntlich auch bereit, unsymbolisch vergossen zu werden. Wenn unsere und die anderen Jungs sterben, wäre die Doktrin des modernen Militärhumanismus dahin. Die lautet: Chirurgisch eingreifen, Militärgerät vernichten, aber kein Menschenleben. Aber das geht nur, wenn sich auch der Widersacher bei so viel Humanität kooperativ verhält. Wer darauf vertraut, gerät aber unter Schizophrenieverdacht. Vielleicht ist unseren Friedensbringern in ihrer Mission etwas durcheinander geraten: Krieg heißt töten und dagegen ist auf Dauer auch keine Propaganda der sauberen Leinwand gerüstet. Hoffentlich hat Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark tatsächlich die ihm nachgesagte "stilistische Intelligenz" und "robuste Direktheit". Heißt das in amerikanischer Übersetzung: Human platzierte Marschflugkörper? Wes hat jedenfalls schon mal mit Serbenführer Mladic die Offizierskäppis getauscht und auch eine Flasche Whiskey nebst Pistole als Geschenk angenommen. Mag offen bleiben, ob dieser fröhliche Sportsgeist von heute besser als der fatale Korpsgeist von gestern ist. Jedenfalls wünschen wir Wes und dem Rest der zivilisierten Welt, dass auf das "bisschen Krieg" die Frage nicht folgt: "Darf´s ein bisschen mehr sein?"

 

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