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Lektüre-Tipps

Leselasten (Facebook-Post)

Lesen ist eine primitive Tätigkeit. Mühselig massiert man sich Informationen in das Biohirn, nach kürzester Zeit fehlt das meiste wieder. Re-Lektüren verspricht man sich, ohne sich nach einiger Zeit selbst daran zu erinnern. Dann fällt ein Buch aus dem Regal und bereitet sich selbst ein gnädiges Schicksal. Durch "Zufall" (fast im Wortsinne) wird es erlöst, vulgo: wieder gelesen. Alle diese Aneignungen sind von Systematik weit entfernt, was sich spätestens bei "Tischgesprächen" erweist. Du weißt, dass dein Gegenüber Unsinn redet, aber jene schlagende Replik aufgrund der Lektüre von XYZ dämmert nur noch von ferne. Ein letztes Teekesselchen: "Last" als - nach Duden selten verwendete - Vergangenheitsform von "lesen". 

Was lese ich? Was liegt jenseits des Hauptstroms? Hier gibt es keine Hinweise auf den "Kanon", sondern auf Lektüren, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Begründungen für diese Lektürepflichten folgen von Zeit zu Zeit. 
André Breton: Nadja. 
Jeremy Clarkson: Hier lernt man viel über das "britische Wesen" an und für sich! 

Donoso Cortés: Der Staat Gottes. So lässt es sich mit dieser Welt aushalten und nichts anderes ist der Sinn solcher unverrückbarer Fluchtpunkte. 

Stephen Fry: The Fry Chronicles. Sehr interessante Einblicke in die britische Gesellschaft ohne langweiligen Gossip, dafür mit viel schrägen Erscheinungen der dritten Art. 
Martin Hecht: Deutsche Unsitten, 2007. Das Buch wurde kritisiert ob seiner Überzogenheiten. Ich konnte in dem Buch keinen unwahren Satz finden. 
Robert A. Heinlein: Job, A comedy of justice. Reise durch Paralleluniversen, einschließlich von Himmel und Hölle und diversen unwahrscheinlichen Orten. Thematisiert werden religiöse Konzeptionen, mitunter witzig und grell. Heinlein hat einen Hang zum Aphorismus, was seine mitunter detaillierten Schilderungen konterkariert. Die Inszenierung des Himmels beschreibt, was wir je befürchtet haben. Ein etwas antiquierter, bürokratischer Betrieb, der zur Langeweile neigt. Manchmal gleitet Heinlein in Kitsch ab und die erotischen Passagen sind - wie häufiger bei ihm - nicht immer stilsicher. 
Philip Mansel, Prince of Europe: The Life of Charles Joseph De Ligne (1735-1814).  
Frans Masereel: Grotesk Film. Dieses Büchlein muss dringend neu aufgelegt werden. Das sind vielleicht die wichtigsten Holzschnitte von Masereel. Die futuristische Durchdringung der Welten, die Aufhebung von Innen und Außen, ist großartig gelungen und zeigt zugleich die Grenzen des Mediums, das hier zu seiner höchsten Form kommt. Ich besitze ein Exemplar ;-). 
Henry de Montherlant: Tagebücher 1930 bis 1944, 1958-1964. 
Jean Starobinski: Rousseau. Eine Welt von Widerständen. 
Wenn der Literaturwissenschaftler leise wimmert...

Bei ZVAB darf ich lesen: "Sagan, Helga - Bonjour tristesse". Klar, die Helga aus dem tristen Marzahn wollte schon immer in die feine Welt. Dass uns ein Pseudonym so lange täuschen konnte. Jetzt wächst endlich zusammen, was zusammengehört. Wenn das ZVAB nicht wäre, wären wir ewig ahnungslos geblieben. Anlässe für Kriege, einschließlich literarischer, können so gering sein. Aber die Helga ist eben eine von uns...

 

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Copyright. Dr. Goedart Palm 1998 - Stand: 21. Mai 2014.