Kunst

Tropenhausen - Flora Köln - Fifties Nachmittag

Kunstbetrachtungen, Bilder, Fotografie und Projekte.

Tropenhausen existiert zunächst als Wort. Es klingt nach einer Gemeinde, die ihren eigenen Palmenbestand verwaltet, nach Exotik mit Hausnummer und geregelter Mittagsruhe. Tatsächlich führt die Spur in das Tropenhaus der Kölner Flora – und damit in ein künstliches Paradies unter Glas.

Familienaufnahme zwischen Kakteen im Tropenhaus der Kölner Flora
Ein Fifties-Nachmittag im Tropenhaus: Die Pflanzen behaupten Ferne, die Kleidung hält an Köln fest. Zwischen Kaktus, Glasdach und Familienpose entsteht „Tropenhausen“ als jener Ort, an dem Exotik aus zweiter Hand dennoch zu einer eigenen Erinnerung wird.

Eine Gemeinde aus Projektionen

Der erfundene Ortsname leistet mehr als eine korrekte Bezeichnung. „Tropenhaus“ benennt ein Gebäude; „Tropenhausen“ macht daraus eine Siedlung der Vorstellung. Plötzlich scheinen die Besucher Einwohner auf Zeit zu sein, die zwischen Kakteen und Schildern eine kurze klimatische Ausbürgerung erleben.

Das alte Foto trägt diese Verschiebung bereits in sich. Ein Mann und zwei Kinder stehen in einer Pflanzenwelt, deren Maßstab nicht zu ihrer Kleidung passt. Die Gewächse sind wirklich, doch ihre Nachbarschaft ist kuratiert. Hitze, Feuchtigkeit und Botanik erzeugen eine Ferne, die technisch hergestellt und durch eine Glastür wieder verlassen werden kann.

Exotik aus zweiter Hand

Die Sehnsucht nach dem Tropischen braucht nicht zwingend eine Reise. Sie kann sich an Bildbänden, Verpackungen, Filmen und eben an einem Gewächshaus entzünden. Das mindert ihre Kraft nicht. Projektionen leben davon, dass sie mit begrenztem Material große Räume erzeugen. Ein Palmblatt genügt, wenn der Winter draußen wartet.

Darin liegt auch die Komik künstlicher Paradiese. Sie versprechen Wildnis und liefern Öffnungszeiten. Sie zeigen Überfluss, während jede Pflanze einen Topf, ein Schild und einen Pflegeplan besitzt. Das Ungebändigte erscheint als Institution. Tropenhausen wäre folglich eine sehr deutsche Utopie: üppig, feucht und ordnungsgemäß beheizt.

Was sich nicht verändert

Der alte Text notiert: Obwohl das Bild Jahrzehnte alt sei, sehe es in der Kölner Flora – von den menschlichen Figuren einmal abgesehen – heute noch so aus. Der Satz dreht die übliche Logik des Erinnerungsfotos um. Nicht der Ort bezeugt die Vergangenheit der Menschen; die Menschen zeigen, wie wenig sich der künstliche Ort verändert hat.

Das Tropenhaus wird zur Zeitkapsel, weil seine Gegenwart ständig gepflegt wird. Pflanzen wachsen, werden ersetzt und zurückgeschnitten, doch das Versprechen bleibt stabil. Die Besucher altern außerhalb des Bildes. Im Inneren herrscht eine institutionell erzeugte Ewigkeit, warm und leicht beschlagen.

Provinz des Imaginären

Tropenhausen liegt damit weder in Köln noch in den Tropen. Es ist eine Provinz des Imaginären: nah genug für einen Nachmittagsausflug, fern genug für eine Projektion. Der Name nimmt diese Zwischenlage ernst, indem er sie verspielt. Er verwandelt ein Gebäude in einen Ort, eine Familienaufnahme in eine kleine Expedition und Erinnerung in Klimakunst.

Vielleicht sind künstliche Paradiese gerade deshalb haltbar. Niemand verlangt von ihnen vollständige Wahrheit. Es genügt, dass sie für einige Minuten eine andere Luft bereitstellen. Danach tritt man wieder hinaus – und trägt Tropenhausen als unmögliche Ortsangabe mit sich.