Gedankenbuch

Die unbotmäßige Welt

Gedankenstücke aus den Telepolis-Essays

Vorbemerkung

Dieses Buch ist aus Essays hervorgegangen. Seine Sätze standen zunächst in politischen Interventionen, medientheoretischen Erkundungen, kulturkritischen Exkursen, philosophischen Spekulationen und Beobachtungen des digitalen Alltags. Manche waren dort bereits kleine, in sich geschlossene Gebilde. Andere mussten nur aus ihrem argumentativen Zusammenhang gelöst werden, um ihre eigene Spannung erkennen zu lassen.

Die Sammlung folgt keinem engen Begriff des Aphorismus. Sie versammelt klassische Sentenzen ebenso wie Denkfiguren, pointierte Essaysätze, historische Momentaufnahmen und kleine argumentierende Miniaturen. Nicht immer liegt ihre Kraft in der Kürze. Mitunter lebt sie gerade von einer längeren Bewegung, einer überraschenden Verschachtelung, einem ironischen Nachsatz oder einem Begriff, der zwei gewöhnlich getrennte Sphären zusammenstößt.

Zeitgebundene Stücke stehen neben abstrakten Gedanken. Der konkrete Anlass ist dabei nicht bloß historischer Rest. Er kann eine wiederkehrende politische, rechtliche oder mediale Struktur sichtbar machen – und die Ferne einer vergangenen Gegenwart gelegentlich deutlicher sprechen lassen als ihre Aktualität.

Die Originalformulierungen wurden bewahrt. Das Zeichen ⁕ kennzeichnet drei behutsam aus längeren Passagen gewonnene redaktionelle Verdichtungen. Es gehört nicht zum jeweiligen Text; Herkunft und Eingriff werden am Ende des Bandes offengelegt.

Die fünf Teile sind keine Schubladen. Sie bilden Bewegungen: von der Wirklichkeit zur Macht, vom Recht zur Gerechtigkeit, von der Technik zum Begehren, vom Menschen zu seinen Selbstbildern und von den Medien zu den Nebenwelten der Kunst.

I

Wirklichkeit und Macht

Wer setzt die Kriterien fest, wann ein Staat versagt hat und wann er selbst nicht mehr willens oder aber unfähig ist, das zu ändern?

Invasion zur Weltverbesserung

Wenn es nichts mehr zu verlieren gibt, wird schließlich jedes Mittel probat.

Clockwork America

Was sind schon Massenvernichtungsmittel, wenn es um die allgemeine Glückseligkeit von Menschen in schlecht regierten Staaten geht?

Invasion zur Weltverbesserung

Wenn dann auf der zweiten Brennstufe des politischen Unterhaltungsprogramms die Spaßwerte des skandalorientierten Moraltheaters nicht zu kurz kämen, ja dann, wählen wir euch auch diesmal wieder alle.

Reformoffensive in Deutschland

Was der Bürger will und was Politik kann, verschmilzt längst zu dem, was der Wähler wollen darf.

Politik als Infotainment

Wenn die öffentliche Meinung nicht länger instrumentalisiert werden kann, um Mehrheiten zu konstruieren, steigt in Demokratien der Diskursdruck.

Mörder hautnah

Zwar kann niemand mehr ernsthaft glauben, dass schließlich nach unzähligen fehlgeschlagenen Recherchen doch noch Massenvernichtungswaffen gefunden werden, aber irgendwann ersetzt das Gerücht bekanntlich die Wirklichkeit.

Die neu entdeckte Einigkeit der Uneinigen

Wer in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen die Mächtigen verhört, weil er selbst bereits Macht besitzt, kann keine Galionsfigur des neuen Straßenprotests sein.

Der grüne Dany sieht wieder rot

Wenn der Minister an diesem Skandal scheitert, bestätigt sich die Gesellschaft nur ihre eigene Verlogenheit, die Tugend von Politikern einzufordern, während dieselbe Gesellschaft weiß, dass Tugend nicht unser primärer Betriebsstoff ist.

Zum Elend politischer Selbstinszenierung

Was sich zuvor medial inszenierte und tatstark tönte, um ohne lange nachzudenken mit breiten Stiefeln über den Globus zu treten, ist merkwürdig verhalten geworden.

War on terror - Business as usual

Je länger die irdische Gerechtigkeit in Gestalt der US-Streitkräfte obwaltet, desto stärker wird nicht nur der Unmut von mehr oder weniger fundamentalistischen Muslimen werden, sondern auch der Druck westlicher Öffentlichkeiten.

Unendliche Gerechtigkeit in Scheiben

Solange der Wahlkampf währt, ist die parareligiöse Begeisterung der Massen, die doch angeblich in Demokratien keine sind, der Dreh- und Angelpunkt politischen Selbstverständnisses.

Swamp Blues

Wenn Rumsfeld dem Terrorismus bescheinigt, weder Teil der Religion noch der Kultur zu sein, ist das nicht mehr als die umgekehrte Sprachlosigkeit vor einem Phänomen, das wegseziert werden soll, ohne zuvor die Diagnose zu stellen.

Nicht berühren, nicht einatmen, nicht kosten!

Wenn Macht lediglich als die größte Konzentration kriegerischer Kräfte definiert wird, hätte Rom niemals untergehen dürfen, so wenig wie es je hätte entstehen können, gab es doch immer heute andere Mächtige als morgen.

Bush am Scheideweg: Good bye, America!

Was wäre, wenn Folter der Natur des Menschen entsprechen würde, eben jener Natur, die so natürlich wie widernatürlich ist, dass es lediglich einen veritablen Krieg braucht, um sie immer wieder erfolgreich hervorzulocken?

Barbarei als Kriegsroutine

Wenn Politiker behaupten, sie könnten Verhältnisse ändern und zugleich wissen, dass sie das nicht wissen können, ist das so albern, wie es der Wähler mehrheitlich empfindet.

Die Banalität der Guten

Doch der fatale Irrtum ist die Anmaßung, dass die eigene Freiheitsfaçon bereits alle Unfreiheiten, Ungerechtigkeiten, Armut und Not beseitigt.

Amerikanischer Internationalismus

Wenn die mediale Überformung von öffentlichen Stimmungen ausbleibt, wird nicht nur der primitive Volkszorn entsorgt, der populistische Politik der vorangegangenen Jahrtausende so einfach bis billig machte.

Mörder hautnah

Wer Amerikas Regierung kritisiert, muss so wenig antiamerikanisch sein, wie derjenige antisemitisch, der Sharons Militärpolitik kritisiert.

Großer Präsident, was nun?

Was im Übrigen deutlich macht, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als ein nichtvermögender oder zumindest nicht von der Wirtschaft hoch gesponsorter Kandidat Chancen hätte, US-Präsident zu werden.

Bush bleibt Bush, da helfen keine Wahlen

Das moralische Zwielicht, das wir bereits in der Theorie erkennen, ist aber gerade deshalb keine haltbare Verteidigungsposition für Politiker.

Der Freiherr der Wissenschaft

Wenn aber das komplexe Gefüge von Staatsräson und bürgerlichen Abwehrrechten nicht so einbrechen soll wie die Türme des WTC, darf die totale Gerechtigkeit den Ausnahmezustand des gerechten Kriegs nicht zum zivilgesellschaftlichen Regelfall pervertieren.

Unendliche Gerechtigkeit in Scheiben

Wer die Moral auf dem Panier trägt, wer Menschenleben opferte und weiterhin opfert, darf sich nicht den Hauch eines Zweifels leisten.

Alles ehrenwerte Männer

Was man aus der Geschichte lernen konnte, haben die Verfassungen Europas verinnerlicht, was aber die Gegenwart - immer massiver aus der Richtung der Zukunft behelligt - lernen muss, entzieht sich diesem historischen Verfassungstypus.

Europa: (ver)fassungslos?

Denn nicht nur der harte Beat gegen die Demokratie wird bei den neuen Rechten gepflegt, sondern vor allem eine neue politische Geschmeidigkeit, drängende politische Themen zu besetzen.

Wie Neo sind die Nazis?

Wenn die Opfer aber erst gar nicht mehr gezählt werden, verliert sich die Wahrheit über den Krieg vollends im Nebel der Geschichte.

Fiktionen humaner Kriegführung

Wo sich ein bedingungsloser staatlicher Herrschaftswille durchsetzen will, wird man nach der Folter nicht lange suchen müssen.

Barbarei als Kriegsroutine

Wer Leistungsanreize fordert, wo eine klassische Pädagogik zu Recht intrinsische Motivationen bevorzugt, muss vor allem eine konjunkturfreudige Wirtschaft und einen geschäftigen Arbeitsmarkt präsentieren.

Keiner weiß mehr

Was nun ohnehin die menschliche Kondition zum Tode hin bezeichnet, soll also eine tendenziell grenzenlose Blankettermächtigung sein, besser gestern als heute zuzuschlagen.

Zur neuen Präventionsmoral alter Krieger

Wer ultimative Sicherheit in allen Lebenslagen bescheren will, ohne das Tabuthema der gesellschaftlichen Güterverteilung ankratzen zu dürfen, darf auch das Risiko des Staatsbankrotts nicht fürchten.

Das Karlsruher Schießen

Wenn Demokratie eine evolutionäre Form ist, die sich historisch zwangsläufig einstellt, müssten autoritäre, fundamentalistische oder diktatorische Staaten von begrenzter Haltbarkeit sein.

Arabische Musterdemokratien von morgen

Wer wie Neokonservative immer unterstellt, dass der Gegner täuscht, täuscht schließlich nicht nur die Öffentlichkeit, sondern sich selbst.

War on terror - Business as usual

Wer sich vom Gegner überzeugen ließe, wäre nicht nur ein politischer Schwächling, sondern schlimmer noch: ein Spielverderber.

Spiel mir das Liedchen vom Teletod

Wenn der Staat salbungsvoll wird und seine Heroen inszeniert, geht es vor allem immer um die Liturgie des Rudels.

Der Freiherr der Wissenschaft

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II

Recht haben, gerecht sein

Aber vor der Rechtsanwendung steht die Legitimation des Verfahren selbst zur Debatte: Für Milosevic ist das Tribunal illegal, weil es nicht von der UN-Vollversammlung eingesetzt worden ist.

Von der juristischen Austreibung des Kriegs

Solange wir nicht dem kantischen Ideal folgen, dass auch noch der letzte Verbrecher unter der Sonne bestraft sein muss, bevor die Menschheit retirieren darf, wird man es ertragen, dass nicht alle Bellizisten in West und Ost zur Rechenschaft gezogen werden.

Von der juristischen Austreibung des Kriegs

Wer das Recht zu sterben bestreitet, dem geht es zuvörderst um überindividuelle Maßstäbe seiner Ethik und Moral.

Zeit zu sterben

Wer das Argument - isoliert betrachtet - ernst nimmt, muss aber schließlich jedes Forschungsinteresse zurückweisen, da das Beschreiten von Irrwegen und Seitenwegen nicht nur das Forschungsparadigma selbst erfüllt, sondern risikoarme Forschungszweige sich, evolutionär betrachtet, immer weiter reduzieren.

In den Fallstricken der Bioethik

Was weder Vernunft, Religion noch Technologie zu leisten scheinen, ist zur Aufgabe der quasisakralen Ikonografie geworden.

Nine/Eleven

Bereits das ist ein paradoxer Befund: Wenn das Recht unberechenbar ist, müsste es doch besser sein, einen großen Bogen um Prozesse und Gerichte zu machen.

Vor Gericht und auf hoher See

Wenn hohe und höchste Rechtsgüter alles andere als klar konturierbare Kategorien sind, werden Normierungen vage und Verfassungsaussagen zum fragilen Auslegungsobjekt.

Hypergut "Gerechtigkeit"

Wer Kriege im Namen der Menschheit führe, verdecke nur, dass er seinen Feind, der nicht weniger Mensch sei, bekämpfe.

Ultima Ultima ratio

Es ist das alte Dilemma der Kirche, vom Gespräch zu reden, wenn es doch schließlich nur um Verkündung ihrer absoluten Wahrheiten geht.

Deus ex Machina

Wenn Verursacher einer Verkehrsordnungswidrigkeit ein individualisierendes Verfahren einfordern, stoßen sie - zu Recht! - auf Grenzen.

Vor Gericht und auf hoher See

Wer Rechtsverletzungen reklamiert, die von Gruppeninteressen getragen werden können, kann Massenbewegungen auslösen.

Minima Moralia

Die Kunst ist nach dem Grundgesetz frei, aber – in verfassungsrechtlicher Logik – gleichwohl nicht schrankenlos gewährt.

Blut- und Hodenideologie

Wer identitätsschwach ist, benötigt äußere Kennzeichen, um die Welt für sich begreifbar, unterscheidbar, normierbar zu machen.

Die "gelbe Gefahr"

Wenn Gott dem Menschen nach christlicher Lesart die Sexualität geschenkt hat, gibt es kein Recht der Priester aus vorgeblichen Gründen ihres Kultes darauf zu verzichten.

Kirche und sexueller Missbrauch

Wer von jenseitiger väterlicher Autorität redet, kann sich den Umweg zum fragilen Glück über sichere Renten oder gar Wohlstand zu Lebzeiten verkürzen.

Welche Werte brauchen wir?

Wenn in der Tradition der Verfassungsrechtsphilosophie außerrechtliche Gründe der Rechtsetzung wie Natur, Vernunft, Souveränität oder Eigentum genannt werden, geraten wir in ein Dilemma.

Der müde Leviathan

Wer nicht aus Einsicht rechtsgehorsam reagiert, wird im Zwangssystem des Rechts viele Wege finden, seine Nichtüberzeugung zu leben.

Relativierungen des Rechts

Wenn der Mensch nicht aus göttlichem Lehm gestaltet wurde, sondern ein vorläufiges Endprodukt einer biologischen Entwicklungslinie ist, erweist sich der Schöpfungsbericht der Bibel falsch.

Gott am Hintereingang seiner Schöpfung

Wer andere Menschen zwangsweise kennzeichnet, will ihnen die personale Identität rauben, generalisiert sie zu Unpersonen, um sich selbst darüber zu identifizieren.

Die "gelbe Gefahr"

Wenn Ethikkommissionen heute erkennen, dass gewisse Grenzen nicht überschritten werden dürfen, sind sie bereits überschritten.

Minima Moralia

Wenn die Gründe schwächer werden, kompensieren das Juristen nicht selten durch einen fundamentalistischen Duktus.

Hypergut "Gerechtigkeit"

Wer von Okkultismus spricht, denkt vielleicht nicht allzu weit von Tomás de Torquemada entfernt über die rechte Art des Christenmenschen nach.

Zur Rechristianisierung des Westens

Was nutzen uns eine prästabilierte Harmonie der theoretischen Moral, kategorische Imperative oder Diskursethiken, die in der Stunde ihrer Bewährung unzuverlässig sind?

Relativierungen des Rechts

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III

Maschinen des Begehrens

Wenn die Gegenwart charakterisiert werden müsste, dann jedenfalls auch so, die so genannte Wirklichkeit entwirklicht zu haben.

Virtueller Blüthenstaub

Wer so fabulierfreudig ist, wenn er die Prospekte einer künftigen Welt schildert, liebt seine technischen Schöpfungen, die sich weder in zukünftigen Glückseligkeiten, die wie Mohrrüben dem Menschen-Esel vor der Nase baumeln, noch in Dystopien erschöpfen.

Die unbotmäßige Welt

Was gilt aber, wenn der Glaube an die Wirklichkeit diesmal auf nicht mehr kartesianisch zu besänftigende Zweifel stößt?

Das Unbehagen an der Wirklichkeit

Je mehr technische und mediale Möglichkeiten dem Menschen zukommen, je rasanter der Wissenstransfer wird, desto unheimlicher werden die Verhältnisse, ohne sie je noch als Bescheidwisser eines G8-Abiturs zu durchdringen.

Aufstieg durch Bildung?

Wenn schon die Konstruktion der Welt schlecht ist, gibt es dann wenigstens eine poststabilierte Harmonie dank immer neuer und mächtigerer Maschinen?

Die unbotmäßige Welt

Vielleicht macht das Netz süchtig, aber der virtuelle Stoff, der durchs Hirn rauscht, wird weder in Kolumbien geerntet noch auf der Intensivstation abgebaut.

Koksalarm im Reichstag

Je größer der Neocortex ist, der unter anderem für soziale Kompetenzen verantwortlich ist, umso mehr soziale Spiele sind zu beobachten.

Playstation Gehirn

Wenn die Virtualität an den Schnittstellen noch verbessert wird, etwa ausgefeilte Simulationen auch das motorisch-technische Geschick angehender Ärzte ausbilden, sollten reale Tierversuche endgültig zum Teil einer überwundenen Geschichte werden.

Das Tamagotchi wird viviseziert

Nur die Ideen, also auch die mathematischen Gleichungen, sind real, alles andere dagegen Schein oder menschliche Erkenntnisschwäche.

Das Spiegeluniversum neben uns

Wer jedenfalls eifrig halflife trainiert, darf sich das vermutlich demnächst auf die Grundausbildung anrechnen lassen.

Willkommen im Virtual Sniper Park

Wer heute von sozialer oder emotionaler Intelligenz spricht, macht im Prinzip auch nichts anderes, als Emotionen ganzheitlich zu interpretieren.

Virtueller Blüthenstaub - Teil 2

Die Schlusserklärung des Projekts könnte aber auch zum Selbstläufer werden: Als fundamentales Ziel von HumanML gilt es, menschliche Missverständnisse zu vermindern.

Human Markup Language

Wenn Warwick dann noch einen Sinn für das Wünschbare im Chip bereit hält, dürften bald alle Menschen glücklich sein.

Sing the body electric

Wer den subatomaren Verrückungen und Verrücktheiten der Materie beikommen will, muss sich Niels Bohr zufolge sogar die ausgelassenste Phantasie leisten.

Das Unbehagen an der Wirklichkeit

Wer die explosiven Gepflogenheiten zahlreicher Online-Foren kennt, weiß, dass hier zwar mit harten, aber eben virtuell gepolsterten Bandagen gestritten wird.

Engine of Justice

Wenn Mephisto keine überlegene Wissensherrschaft bietet, gibt es keine dämonischen Verlockungen mehr, die nicht längst besser von Medien besorgt werden.

Alexander Moszkowski

Wenn nicht die Abkoppelung gesellschaftlichen Reichtums von der Arbeit gelingt, werden die Bildungspropagandisten und Fortschrittseuphoriker bald sehr allein sein.

Aufstieg durch Bildung?

Wer die Motive seiner Simulationsherrscher kennt, könnte sich tendenziell darauf ausrichten, seine Zukunft im Blick auf die Interessen der Betreiber zu gestalten, meint Robin Hanson.

Matrix Refused

Wenn gespielt wird, handelt es sich immer zugleich um eine ideale Lernzeit, in der Hirnschaltungen positiv modifiziert werden können.

Playstation Gehirn

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IV

Der Mensch als Störfall

Wenn Pluralismus ein zentrales Moment einer demokratischen und liberalen Gesellschaft ist, wäre eher die Diversifikation von Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu erwarten als eine genetisch homogene Gesellschaft.

Klonen und die fragwürdige Ethik der Verbote

Wer so das Recht auf Faulheit leugnet, ist ein Populist, der auf Wählerstimmen aus dem großen Kreis aller billig und gerecht Denkenden spekuliert.

Vom Menschenrecht auf Faulheit

Was lange quält und im Dampfkessel übers Jahr so vor sich hin brodelt, zu Weihnachten explodiert es in Richtung Wahrheit.

Showdown unterm Tannenbaum

Wo sich allerdings die menschliche Würde im Genom versteckt, dürfte im Übrigen auch auf den jetzt vorgelegten Genomkarten nicht verzeichnet sein.

Im Telefonbuch des Lebens geblättert

Wenn der Orient auch nach dem sicheren Filmwissen amerikanischer Schulkinder ein Wunderland ist, könnte nicht nur der Dieb von Bagdad, sondern auch der Baulöwe mit überirdischen Kräften im Bunde stehen.

Der Baulöwe von Bagdad

Und jetzt werden die Bilder, die weder der Wirklichkeit noch dem Film allein angehören, ständig überblendet: Schwarzenegger rettet Kalifornien, der Terminator rettet die Menschheit.

The last election hero

Wenn es Menschen gibt, die so etwas jenseits von Halloween kaufen, muss man ernsthaft darüber nachdenken, ob Martin Heideggers Zweifel, dass die Demokratie die Herrschaftsform der Zukunft bleibt, nicht berechtigt sind.

Swamp Blues

Was diesen und anderen Fluchten von Alcatraz bis Santa Fu fehlt, ist die Darstellung der elendigen Alltäglichkeit der Menschenverwaltung.

Vom Kerker über den Knast zur Hilton

Wer bei Reklame den freien Willen anmahnt, muss inzwischen wieder ein Zyniker, mindestens aber ein Spaßvogel sein.

Coke vobiscum

Was unsere Apologeten der fröhlichen Spiele aber immer übersehen: Der relative äußere Friede und das martialische Gefühl in der Brust passen gut zusammen.

When The Music's Over

Was der eine lebenslang in die Raten fürs Eigenheim investiert, zahlt der andere eben für die Verteidigung seiner Kokainrückstände im Haupthaar.

"Die Firma" im digitalen Aktenkrieg

Wer Spielen im Stadion beiwohnt, muss nicht nur hin-, sondern auch wegsehen können, um seine Spiellaune nicht zu verlieren.

When The Music's Over

Wenn doch angeblich die Arbeit den Menschen adelt, bleibt die Frage, warum dann Millionen es vorziehen, so unfeudal zu leben.

Vom Menschenrecht auf Faulheit

Aber leider ist es nicht mehr so einfach wie zu Zeiten des frühen Kriminologen Lombroso, der noch glaubte, das Verbrechen Menschen an der Nasenspitze ablesen zu können.

Clockwork America

Was als Xmas-Blues, als so stille wie unheilige Nacht-Depri beginnt, kann schnell in offenen Terror ausarten.

Showdown unterm Tannenbaum

Wenn die Multiplayer die Erregungen des fünften Levels suchen, bleibt für die Lustseuche ohnehin keine Zeit.

Gebt uns Bits und Spiele!

Was den Mensch vom Wurme trennt, ist vor allem der Unterschied, dass die komplexer angelegten menschlichen Gene mehr Proteine produzieren als die niederer Tiere.

Im Telefonbuch des Lebens geblättert

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V

Bilder, Sätze, Nebenwelten

Wenn bereits die Kategorien so windelweich sind wie die Statistiken schwammig, werden eben die üblichen Schlammschlachten zum Mediendiskurs hochgefahren, der parasitär an der Aufmerksamkeit teilnimmt, die doch der heißen Ware gilt.

La Grande Nation gegen die Pornokratie

Wer ist smarter, operiert ästhetischer im Medium, kaschiert das Paradox von Machbarkeitsrhetorik und Zukunftsungewissheit geschickter?

Spiel mir das Liedchen vom Teletod

Die gesetzliche Grundlage für die Verfolgung von Sklyarov lässt sich aus psychiatrischer Sicht gleichsam als digitales Double bind beschreiben: Zwar ist es erlaubt zum persönlichen Gebrauch Kopien digitaler Medien anzufertigen, verboten ist es aber, den Kopierschutz in das Datennirvana zu versenken.

Tantalos digital

Wenn sich herausstellt, dass Geschwätz Geschwätz bleibt, so korrekt auch die Gesinnung ist, könnte das langfristig therapeutische Wirkungen für eine zu Panikzuständen tendierende Stimmungsdemokratie haben.

Rechte Diskurse

Wer so auf Medienmoral hält, hat vielleicht insgeheim den Glauben, wenn nicht an sich, so doch an die gute Sache längst verloren.

Journalismus und Mediendämmerung

Indes kann Entwarnung gegeben werden, ist doch auf die Gnade kürzester Halbwertszeiten in Mediendemokratien Verlass, die noch jeden selbstläufigen Skandal schließlich auch wieder in das Archiv der ungelösten Streitfälle verräumt.

Der Möllemann, der Antisemitismus und der Tod eines Kritikers

Wer Technik über ihre Funktionen hinaus begreifen will und gar ethische Fragen lösen will, kommt womöglich ohne Ästhetik und Poesie nicht zu kreativen Antworten.

Alexander Moszkowski

Wenn die Faktur des global agierenden Helden seelenlos wird, gibt es auch keinen Mythos mehr.

Helden ohne Mythos

Was keiner vorhersieht: Die Überhirne schätzen sich gegenseitig, tauschen ihre Geheimnisse aus und die Militärs befällt das Entsetzen angesichts der rasenden Maschinenkommunikationen, die sich menschlichem Begreifen entziehen.

Intime Gespräche zwischen neuronalen Netzwerken

Vielleicht sind also die Nichtlese-Riesen Noel Gallagher und Zladko auf dem richtigen Weg in die Zukunft, nur – sie wissen es nicht, weil sie dafür gegenwärtig noch lesen müssten!

Die Zukunft des Lesens

Wer Medien nur als technische Extrapolationen ihrer Gegenwart begreift, sie lediglich ein bisschen schneller, integrierter und vernetzter buchstabiert, kommt in seinen Prognosen nicht allzu weit.

Die Zukunft des Internet

Wer die Kommunikationsstruktur des Feindes zerschlagen kann, gewinnt – wie der Golfkrieg eindrucksvoll demonstriert hat – auch die Schlacht im Felde.

"Hack the USA!!!"

Wenn die Online-Nutzung wächst – und nichts spricht gegen ihren weiteren Siegeszug - reduziert sich die Kommunikationsmacht klassischer Medien.

Journalismus und Mediendämmerung

Wer da noch schreibend überleben will, muss seine Schreibhaltungen radikalisieren.

Der Geist in der Presse

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