Im Jahr 2006 konnte man über die Zukunft des Internets noch schreiben, ohne dass diese Formulierung tautologisch klang. Das Netz war längst kein wissenschaftliches Spezialmedium mehr, Google gehörte bereits zum Alltag, Wikipedia wuchs mit einer Geschwindigkeit, die den traditionellen Enzyklopädien zunehmend bedrohlich erscheinen musste, Blogs versprachen eine neue Öffentlichkeit, Breitbandanschlüsse wurden normal, und dennoch besaß das Internet weiterhin jene eigentümliche zeitliche Doppelstellung, die neue Medien nur für kurze Zeit haben: Es war bereits da und schien zugleich erst noch zu kommen. Man benutzte es morgens und prognostizierte es abends.
In dieser Situation entstand der Text „Die Zukunft des Internets“, der 2006 bei Telepolis erschien und wenig später einen Weg nahm, der heute beinahe interessanter wirkt als manche seiner damaligen Prognosen. Dangė Čebatariūnaitė übersetzte ihn ins Litauische; unter dem Titel „Interneto ateitis“ erschien er in zwei Teilen im litauischen Online-Magazin Balsas.cc. Aus einem deutschen Essay über die Zukunft des Netzes wurde damit selbst ein Gegenstand jener Zirkulation, die er beschrieb. Der Text wechselte Sprache, publizistischen Kontext, Server und Leserschaft, während sein Autor diesen Weg nicht begleiten musste. Zwanzig Jahre später ist gerade diese Wanderung ein kleines Stück Medienarchäologie.
Die ursprüngliche Frage lautete: Was wird das Internet mit Gesellschaft, Öffentlichkeit, Wissen und Identität machen? Die heutige Frage könnte fast umgekehrt lauten: Was hat das Internet inzwischen mit diesem Text gemacht? Er existierte zunächst als deutscher Text, dann als Telepolis-Veröffentlichung, anschließend als litauische Übersetzung, verteilt auf zwei Beiträge eines damals jungen medienkulturellen Online-Magazins, und schließlich als Kopie auf einer privaten Website, auf der die fremde Sprache wie ein eingeschlossenes Sediment der frühen Netzgeschichte stehenblieb. Manche damaligen Links funktionieren nicht mehr, manche Institutionen haben sich verändert, manche Begriffe klingen heute bereits historisch, während der Text selbst gerade dadurch eine zusätzliche Bedeutung gewonnen hat. Er hatte von der Zukunft gesprochen und ist inzwischen Dokument seiner eigenen Vergangenheit geworden.
Das frühe Internet erzeugte solche Wanderungen in erstaunlicher Geschwindigkeit. Texte waren plötzlich weniger fest an ihre ursprünglichen Publikationsorte gebunden als noch wenige Jahre zuvor. Ein Artikel konnte zitiert, kopiert, übersetzt, verlinkt, kommentiert und auf einem anderen Server in einen völlig anderen kulturellen Zusammenhang versetzt werden. Was zuvor Verlage, Zeitschriften, Übersetzungsrechte, Postwege und erhebliche zeitliche Verzögerungen verlangt hatte, konnte sich nun innerhalb einer schwer überschaubaren internationalen Textzirkulation vollziehen. Dabei bestand ein erheblicher Teil der damaligen Faszination gerade darin, dass niemand genau wusste, wohin ein veröffentlichter Text gelangen würde. Das Netz versprach Reichweite, ohne einen klaren Adressaten zu garantieren. Man stellte etwas hinein, und irgendwo konnte jemand darauf stoßen. Nicht die kontrollierte Distribution, sondern die prinzipielle Auffindbarkeit wurde zum neuen Modell von Öffentlichkeit.
Die litauische Übersetzung ist dafür ein besonders schönes Beispiel, weil sie zugleich Nähe und Fremdheit produziert. Der Text ist erkennbar derselbe, und doch hat er seine sprachliche Oberfläche vollständig gewechselt. Nietzsche, Brecht, McLuhan, Wikipedia, Globalisierung und Cyberdiktatur erscheinen nun in einer Sprache, die für den deutschen Autor nicht mehr unmittelbar lesbar ist. Selbst einige deutsche oder englische Begriffe bleiben in Klammern erhalten, als hätte die Übersetzung an bestimmten Stellen kleine technische Adapter einsetzen müssen: „Vernetzung“, „medientechnisch“, „open source“, „claim Politik“. Der Text reist, aber er reist nicht verlustfrei. Er nimmt Spuren seiner Herkunft mit.
Gerade darin ähnelt seine Geschichte verblüffend jener Virtualisierung des Bildes, die sich bei Fotografie, Fax, Scan und digitaler Bearbeitung beobachten lässt. Auch der Text löst sich von seinem ursprünglichen Träger, wird in einen anderen Code überführt und an anderer Stelle neu materialisiert. Übersetzung ist in diesem Sinn eine sehr alte Form der medialen Virtualisierung. Der Inhalt soll erhalten bleiben, obwohl seine sprachliche Materie vollständig ausgetauscht wird.
Die Vorstellung, dass dabei ein identischer Text übrigbleibe, ist selbstverständlich ebenso problematisch wie die Vorstellung, ein digitalisierter Scan sei mit dem ursprünglichen Gemälde identisch. Übersetzung verändert Rhythmus, Konnotation, Begriffsgeschichte und kulturelle Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb ist es wichtig, die Übersetzerin zu nennen. Dangė Čebatariūnaitė ist nicht eine unsichtbare technische Leitung, durch die der deutsche Text unverändert hindurchgelaufen wäre. Ihre Übersetzung bildet einen eigenen Zustand des Textes, und dass dieser Zustand heute erhalten geblieben ist, gehört zur Geschichte seiner Überlieferung.
Interessant wird die Angelegenheit allerdings erst richtig, wenn man den Text von 2006 heute wieder liest. Manche Passagen erscheinen frappierend gegenwärtig, andere tragen unverkennbar das Datum ihrer Entstehung. Wikipedia, heißt es dort, werde schon bald selbst die große traditionelle Enzyklopädie wie ein „armseliges Notizbuch“ erscheinen lassen. Das war 2006 noch provokanter als heute. Die Vorstellung eines kollektiv erzeugten, permanent veränderlichen und kostenlos verfügbaren Wissensbestands stand damals noch in unmittelbarer Konkurrenz zu jener ehrwürdigen Ordnung gedruckter Lexika, in denen Wissen durch institutionelle Auswahl, feste Auflagen und physische Bände stabilisiert wurde. Heute wirkt weniger die Prognose erstaunlich als die Geschwindigkeit, mit der sich der Konflikt erledigt hat.
Gleichzeitig enthält der Text eine Skepsis, die rückblickend wichtiger erscheint als der Triumph der digitalen Enzyklopädie: Mehr verfügbare Information bedeutet nicht notwendig mehr Verständnis. Die Formel, je mehr wir wissen könnten, desto weniger wüssten wir, richtete sich gegen jene frühe Euphorie der Informationsgesellschaft, die Zugang beinahe automatisch mit Aufklärung gleichsetzte. Inzwischen hat sich das Problem nur verschärft. Der Mangel an Informationen ist für viele Bereiche nicht mehr das zentrale Hindernis. Schwieriger geworden sind Auswahl, Gewichtung, Kontextualisierung und die Unterscheidung zwischen relevanter Information, strategischer Kommunikation, Werbung, Irrtum und gezielter Täuschung. Die alte Bibliothek hatte ein Problem des Zugangs; das Netz erzeugt zusätzlich ein Problem der Überfülle.
Auch die damalige Diskussion über Blogs wirkt heute wie eine archäologische Schicht. Das Wort „Blogosphäre“ besaß um 2006 eine theoretische Aufladung, die inzwischen fast rührend erscheint. Blogs galten als Orte einer neuen Gegenöffentlichkeit, an denen die Trennung zwischen professionellem Journalismus und privater Rede porös wurde. Privatpersonen konnten publizieren, ohne eine Redaktion, einen Verlag oder einen Rundfunksender zu benötigen. Die Entwicklung war richtig gesehen und zugleich in ihrer konkreten Form längst überholt. Nicht der Blog wurde zum dominierenden Modell der neuen Öffentlichkeit, sondern die Plattform. Aus der individuellen Website mit selbst gewähltem Layout, eigener Domain und längeren Texten entstanden zunehmend standardisierte Feeds, soziale Netzwerke und algorithmisch geordnete Kommunikationsräume. Die Demokratisierung der Veröffentlichung blieb, aber die Infrastruktur wurde konzentrierter.
Darin liegt eine der auffälligsten Verschiebungen gegenüber den frühen Netzutopien. Das Internet wurde tatsächlich zu einem Medium, in dem nahezu jeder senden kann; gerade daraus folgte jedoch keineswegs automatisch jene dezentrale Öffentlichkeit, die viele frühe Theorien erwartet hatten. Zwischen Sender und Empfänger traten neue mächtige Vermittlungsinstanzen, deren Einfluss weniger durch klassische redaktionelle Auswahl als durch Ranking, Empfehlung, Datenauswertung und algorithmische Sichtbarkeit ausgeübt wird.
Der Text von 2006 spricht bereits von „virtuellen Auguren“, von Datenherrschaft und von der Möglichkeit einer Cyberdiktatur, wobei gerade diese Begriffe heute zugleich altmodisch und erstaunlich aktuell wirken. Altmodisch ist die dramatische Sprache des damaligen Cyber-Diskurses, in dem sich Netzpolitik gern mit Orwell, Mordor, Cyberkrieg und digitalen Diktatoren umgab. Aktuell ist dagegen die darin enthaltene Vermutung, dass Macht im Netz unsichtbarer funktionieren könnte als klassische Herrschaft, weil sie nicht notwendig durch Verbote, sondern durch Informationsstrukturen ausgeübt wird.
Die damalige Angst galt unter anderem RFID-Sendern. Heute wirkt gerade dieses technische Beispiel fast bescheiden. Die umfassende Datenerzeugung benötigt keine geheimnisvollen Chips in jedem Gegenstand, wenn Milliarden Menschen freiwillig Geräte bei sich tragen, die Ort, Kommunikation, Interessen, Kontakte, Bewegungsmuster und Konsumverhalten erfassen können. Mediengeschichte besitzt gelegentlich diese Ironie: Die konkrete Prognose veraltet, weil die wirkliche Entwicklung ihr Prinzip in sehr viel umfassenderer Form verwirklicht.
Auch der „Homo internetiensis“, der im Text mit gebeugtem Rücken vor dem Monitor sitzt und seine vertikale Haltung gegen Powersurfing eintauscht, gehört sichtbar in das Jahr 2006. Das Internet hatte damals noch einen Ort. Man ging an den Computer, der Rechner stand auf einem Schreibtisch, der Bildschirm bildete die Schwelle zum Netz, und „online gehen“ bezeichnete einen wahrnehmbaren Übergang. Diese Grenze ist weitgehend verschwunden. Das Netz hat den Computer verlassen und ist in Telefon, Uhr, Auto, Fernseher, Wohnung und öffentliche Infrastruktur eingezogen. Gerade deshalb fragt heute kaum noch jemand, ob er sich „im Internet“ befindet. Die räumliche Metapher des Cyberspace verliert an Überzeugungskraft, sobald der digitale Raum nicht mehr betreten werden muss, weil er den Alltag permanent durchzieht.
Der alte Text stellt die Frage, ob die reale Welt eines Tages zum lästigen Anhängsel eines technisch und sozial expandierenden Netzes werden könnte. Auch diese Formulierung klingt nach jener Epoche, in der „virtuell“ und „real“ noch als zwei weitgehend getrennte Räume gedacht wurden. Heute liegt die eigentliche Entwicklung vermutlich gerade in ihrer Ununterscheidbarkeit. Eine Banküberweisung ist nicht weniger real, weil sie digital vorgenommen wird; eine politische Kampagne verliert ihre Wirkung nicht, weil sie in sozialen Medien organisiert wird; eine digitale Beleidigung kann sehr reale Folgen haben; ein online angebahntes Verhältnis gehört ebenso zur Biografie wie eines, das in einem Café beginnt. Der Gegensatz zwischen virtueller und realer Welt war möglicherweise selbst eine Übergangsvorstellung.
Auch deshalb ist der Text historisch interessant. Er stammt aus einer Phase, in der das Internet zwar bereits tief in den Alltag eingedrungen war, aber noch immer als neues Medium betrachtet werden konnte. Es war nicht mehr bloße technische Infrastruktur und noch nicht vollständig unsichtbare Lebensbedingung. Man konnte deshalb noch ernsthaft fragen, was „das Internet“ mit uns machen werde.
Heute ist diese Frage schwerer zu formulieren, weil das Internet selbst in eine Vielzahl von Systemen zerfallen ist: soziale Plattformen, Cloud-Infrastrukturen, Streamingdienste, Suchmaschinen, Messenger, digitale Verwaltung, Onlinehandel, algorithmische Empfehlung, vernetzte Geräte und inzwischen generative KI. Das Wort bezeichnet technisch weiterhin etwas, kulturtheoretisch aber immer weniger einen einheitlichen Gegenstand. Vielleicht war genau darin die damalige Prognostik unvermeidlich zum Scheitern verurteilt. Sie versuchte, die Zukunft eines Mediums vorherzusagen, das gerade dadurch erfolgreich wurde, dass es immer weniger als einzelnes Medium erkennbar war.
Eine der stärksten Passagen des alten Textes richtet sich deshalb gegen Zukunftsforschung selbst. Nach Karl Valentin sei sogar die Zukunft früher besser gewesen; nach Nietzsche solle man sich der Ungeduld und Neugier nicht ausliefern, die Zukunft vorwegnehmen zu wollen. Wer „Zukunft“ sage, heißt es schließlich, lüge zweifelnd. Zwanzig Jahre später erhält diese Skepsis eine unerwartete Pointe. Der Essay, der die Zukunft des Internets untersuchen wollte, ist heute weniger deshalb interessant, weil er einzelne Entwicklungen korrekt vorausgesehen hätte. Prognosen sind fast immer Mischungen aus tatsächlichen Tendenzen, zeitgenössischen Ängsten und den technischen Möglichkeiten, die gerade sichtbar werden. Interessanter ist, welche Zukunft eine Epoche überhaupt für vorstellbar hielt.
2006 bedeutete Zukunft: Breitband, Wikipedia, Blogs, RFID, Cyberkrieg, virtuelle Gemeinschaften, neue Formen digitaler Identität und eine zunehmend vernetzte Welt. Einige dieser Dinge wurden größer als erwartet, andere verschwanden aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit, wieder andere wurden von Entwicklungen überholt, deren konkrete Gestalt damals kaum absehbar war.
Generative KI beispielsweise verändert heute erneut das Verhältnis von Autor, Text, Bild, Information und Medium. Die damalige Schlussfrage, ob künftig weniger wichtig sein werde, was Medien mit Menschen machen, als vielmehr, was Medien mit Medien machen, liest sich dadurch plötzlich anders. Systeme erzeugen Texte für andere Systeme, Bilder werden von Modellen analysiert und zu Ausgangspunkten neuer Bilder, Suchmaschinen liefern Material für maschinelle Zusammenfassungen, Plattformen organisieren Inhalte algorithmisch, und menschliche Kommunikation findet zunehmend innerhalb von technischen Prozessen statt, die selbst kommunikativ aufeinander reagieren.
Der Mensch verschwindet deshalb keineswegs, aber seine Position verändert sich. Gerade hier berührt sich die alte Netzutopie mit der gegenwärtigen KI-Debatte. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur, ob Menschen mittels neuer Medien mehr Informationen erhalten oder leichter publizieren können. Es geht zunehmend darum, welche Anteile von Wahrnehmung, Auswahl, Formulierung, Bildproduktion und Kommunikation an technische Systeme delegiert werden und welche neuen Formen menschlicher Entscheidung gerade aus dieser Delegation entstehen.
Der alte „Homo internetiensis“ saß noch vor dem Monitor; der gegenwärtige Nutzer muss nicht mehr vor dem Netz sitzen, weil es ihn umgibt. Vielleicht erklärt das auch, weshalb die frühen Internettexte heute eine besondere Fremdheit besitzen. Sie sprechen über etwas, das uns gleichzeitig vollkommen vertraut und historisch fremd geworden ist. Begriffe wie Cyberspace, Blogosphäre oder Informationsgesellschaft erinnern an eine Phase, in der man für Phänomene noch Namen benötigte, die inzwischen so alltäglich geworden sind, dass sie ihre terminologische Sichtbarkeit verloren haben. Das frühe Internet hatte Zukunft, weil es noch Abstand zur Gegenwart besaß; heute wohnen wir darin.
Doch die Geschichte solcher Texte bestand nicht nur darin, dass sie über das Internet nachdachten. Sie wurden selbst von ihm verändert, und ein politisch sehr viel brisanteres Beispiel zeigt diese Eigenschaft deutlicher als die litauische Reise eines medientheoretischen Essays.
Am 6. Februar 2003, einen Tag nach Colin Powells Auftritt vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, erschien bei Telepolis der Beitrag „Nichts als die Wahrheit oder Onkel Powells Märchenstunde?“. Powell hatte seine Präsentation ausdrücklich als Darlegung von Tatsachen und Schlussfolgerungen auf der Grundlage solider Geheimdienstinformationen angekündigt. Satellitenbilder, abgehörte Gespräche, Zeichnungen angeblicher mobiler Produktionsanlagen, Angaben von Überläufern und geheimdienstliche Schätzungen sollten den Eindruck einer geschlossenen Beweiskette erzeugen, mit der die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen und damit eine zentrale Voraussetzung der amerikanischen Kriegsbegründung plausibel gemacht werden sollte.
Gerade die Form dieser Präsentation war bemerkenswert. Powell trat nicht lediglich mit einer politischen Behauptung vor die Vereinten Nationen, sondern mit einer sorgfältig inszenierten Evidenzmaschine. Satellitenfotografie, technische Zeichnung, Geheimdienstsprache, Tonaufzeichnung und die persönliche Glaubwürdigkeit des amerikanischen Außenministers wurden so miteinander verbunden, dass aus einer Vielzahl unterschiedlich belastbarer Informationsfragmente eine scheinbar einheitliche Wirklichkeit entstand. Die mediale Form der Darbietung sollte nicht nur informieren, sondern Evidenz erzeugen.
Der Telepolis-Artikel setzte genau an dieser Differenz zwischen Information und Beweis an. Er bestritt nicht, dass Saddam Husseins Regime in früheren Jahren chemische Waffen besessen und eingesetzt hatte, und er behauptete auch nicht, bereits mit Sicherheit wissen zu können, dass im Irak keinerlei verbotene Waffenprogramme mehr existierten. Die entscheidende Frage war enger und erkenntnistheoretisch anspruchsvoller: Bewiesen die von Powell präsentierten Materialien tatsächlich das, was aus ihnen politisch gefolgert wurde?
Die Antwort fiel negativ aus. Unscharfe Satellitenaufnahmen, aus Veränderungen auf Bildern abgeleitete Interpretationen, abgehörte Gesprächsfragmente, nicht überprüfbare Geheimdienstinformationen, Zeichnungen angeblicher mobiler Biowaffenlabore und teilweise erheblich voneinander abweichende Mengenschätzungen konnten Verdachtsmomente begründen, aber der Übergang vom Verdacht zur behaupteten Gewissheit war in der Präsentation nicht eingelöst. Gerade die technisch aufwendige Form drohte vielmehr, die Schwäche einzelner Beweismittel durch ihre mediale Kumulation zu verdecken.
Der Artikel kam deshalb zu einem bewusst juristisch klingenden Ergebnis: Der für eine derart weitreichende politische Konsequenz erforderliche Nachweis sei nicht geführt. Das Fazit lautete: „Non liquet.“ Diese Formulierung ist im Rückblick entscheidender, als eine spektakulärere Behauptung es gewesen wäre. Der Text sagte nicht: Ich weiß, dass es diese Waffen nicht gibt. Er sagte: Powell hat nicht bewiesen, dass es sie gibt. Gerade diese Unterscheidung zwischen negativer Gewissheit und nicht ausreichender Evidenz ist angesichts der damaligen politischen Atmosphäre bemerkenswert. Während die amerikanische Regierung zunehmend aus Geheimdienstinformationen Tatsachen machte und aus Tatsachen die Notwendigkeit militärischen Handelns ableitete, bestand die Kritik darauf, die epistemischen Zwischenschritte nicht zu überspringen.
Auch dieser Text blieb nicht notwendig auf seinen ursprünglichen deutschen Publikationsraum beschränkt. Eine englische Übersetzung ist erhalten; sie trägt den Titel „Facts, facts, facts! Or Uncle Powell’s fairy tale hour as a ‘full multimedia blitz’ for unbelievers?“ und führt den deutschen Telepolis-Artikel vom 6. Februar 2003 als Ausgangstext. Damit lässt sich die sprachliche Transformation selbst noch dokumentieren.
Die Übersetzung gehört in jenes internationale Netzwerk unabhängiger Publikation, in dem Marc Batko in jener Zeit deutsche politische Texte ins Englische übertrug und für amerikanische Indymedia-Zusammenhänge verfügbar machte. Batko arbeitete unter der Kontaktadresse mbatko@lycos.com und betrieb mbtranslations.com; seine Übersetzungen deutscher Texte erschienen auf amerikanischen Indymedia-Plattformen und wurden dort als Beiträge zu einer transnationalen Gegenöffentlichkeit verbreitet. Der genaue historische Indymedia-Datensatz gerade der Powell-Übersetzung lässt sich heute nicht mehr ebenso eindeutig greifen wie die erhaltene englische Fassung selbst. Gerade diese Lücke gehört jedoch zur Sache: Das frühe Netz konnte Texte außerordentlich schnell verteilen und zugleich ihre konkreten Wege erstaunlich schlecht konservieren.
Damit unterscheidet sich digitale Überlieferung fundamental von der Vorstellung eines stabilen Archivs. Eine gedruckte Zeitschrift besitzt eine Ausgabe, ein Datum, eine Seite und einen physischen Bestand. Ein im frühen Netz verbreiteter Text konnte dagegen gleichzeitig auf Originalserver, Spiegelserver, Mailinglisten, Übersetzungsseiten, Indymedia-Knoten und privaten Websites erscheinen. Sobald einige dieser Orte verschwanden, blieb möglicherweise der Text erhalten, während seine Distributionsgeschichte zerfiel. Das Netz konservierte Inhalt und verlor Provenienz.
Gerade die Indymedia-Struktur der frühen 2000er Jahre war für solche Wanderungen charakteristisch. Die verschiedenen lokalen Independent Media Centers bildeten kein klassisches zentral gesteuertes Medium, sondern ein verteiltes Netz regionaler Plattformen, auf denen Texte, Berichte und Übersetzungen veröffentlicht und weitergereicht wurden. Ein politischer Kommentar konnte damit eine nationale Medienöffentlichkeit verlassen und in eine transnationale politische Gegenöffentlichkeit eintreten, deren Wege kaum noch mit den herkömmlichen Kategorien von Autor, Redaktion, Verlag und Vertrieb zu erfassen waren.
Beim Powell-Text war diese Bewegung besonders eigentümlich. Eine amerikanische Regierungserklärung wurde weltweit übertragen, in einem deutschen Online-Magazin analysiert und kritisiert, ins Englische zurückübersetzt und anschließend für amerikanische Gegenöffentlichkeiten verfügbar gemacht. Die Richtung des Informationsflusses wurde damit umgekehrt. Nicht nur amerikanische Politik strahlte in europäische Medienräume aus; die europäische Kritik an dieser Politik konnte nahezu ohne zeitliche Verzögerung in die amerikanische Debatte zurückkehren.
Gerade hier erfüllte das frühe Internet tatsächlich einen Teil jener Erwartungen, die damals mit Begriffen wie Gegenöffentlichkeit, Vernetzung oder globaler Kommunikation verbunden wurden. Die Schwelle internationaler Publikation sank. Ein deutscher Text benötigte keinen amerikanischen Verlag und keine etablierte amerikanische Zeitung, um in englischer Sprache in den Vereinigten Staaten gelesen werden zu können. Übersetzer und digitale Plattform genügten.
Der politische Gehalt dieser Zirkulation bekam einige Jahre später eine zusätzliche Brisanz, weil sich die Tatsachengrundlage von Powells Präsentation tatsächlich als erheblich problematischer erwies, als sie am 5. Februar 2003 dargestellt worden war. Die nach der Invasion intensiv gesuchten Bestände an chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen wurden nicht gefunden. Die angeblichen mobilen biologischen Waffenlabore, die in Powells Präsentation eine besonders suggestive Rolle gespielt hatten, ließen sich nicht in der behaupteten Form bestätigen. Zentrale menschliche Quellen erwiesen sich als unzuverlässig; besonders der unter dem Decknamen „Curveball“ bekannte Informant wurde später zum Symbol für das Versagen der damaligen Geheimdienstprüfung.
Damit erhielt die skeptische Analyse des 6. Februar 2003 eine historische Nachgeschichte, die beim Erscheinen selbstverständlich noch nicht verfügbar war. Der Artikel konnte zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, was amerikanische Inspektoren und Geheimdienste nach der Besetzung des Irak feststellen würden. Er konnte nur prüfen, ob die öffentlich präsentierte Argumentation die Stärke besaß, die ihr politisch zugeschrieben wurde, und gerade diese Beschränkung erwies sich als ihre Stärke.
Powell selbst distanzierte sich später in bemerkenswert deutlicher Form von seinem Auftritt. 2005 bezeichnete er die Rede vor den Vereinten Nationen als einen „blot“ auf seiner politischen Bilanz. Er erklärte, die Angelegenheit sei schmerzhaft gewesen und bleibe es, weil er die Präsentation im Namen der Vereinigten Staaten vor der Weltöffentlichkeit gehalten habe. Zugleich räumte er ein, dass das amerikanische Geheimdienstsystem nicht richtig funktioniert habe und dass innerhalb der Intelligence Community Personen von der mangelnden Zuverlässigkeit bestimmter Quellen gewusst hätten, ohne ihn ausreichend zu warnen. Gerade diese Erkenntnis habe ihn erschüttert. Später bezeichnete Powell den Vorgang noch deutlicher als ein großes Geheimdienstversagen. Das ist für die rückblickende Bewertung seines UN-Auftritts deshalb wichtig, weil hier nicht lediglich politische Gegner behaupteten, die Beweisführung sei unzureichend gewesen. Derjenige, der sie mit seiner persönlichen Autorität öffentlich vertreten hatte, erkannte selbst an, dass zentrale Informationen falsch oder unzuverlässig gewesen waren.
Damit entsteht eine ungewöhnliche zeitliche Konstellation zwischen journalistischer Kritik und späterer historischer Evidenz. Am 6. Februar 2003 standen sich keine zwei gleichermaßen gesicherten Wissensbestände gegenüber. Auf der einen Seite stand eine amerikanische Regierung, die behauptete, über geheimdienstlich abgesicherte Tatsachen zu verfügen; auf der anderen Seite stand eine publizistische Analyse, die diese geheimen Informationen naturgemäß nicht selbst überprüfen konnte. Die Kritik hatte daher nur eine Möglichkeit: Sie konnte die öffentlich präsentierte Evidenz daraufhin untersuchen, ob sie den aus ihr gezogenen Schluss tatsächlich trug.
Genau darin traf die damalige Vermutung die spätere Wahrheit, nicht weil sie ein verborgenes Wissen besessen hätte und nicht weil bereits am 6. Februar 2003 beweisbar gewesen wäre, dass keine Massenvernichtungswaffen gefunden werden würden, sondern weil sie den Unterschied zwischen Behauptung, Indiz, Schätzung und bewiesener Tatsache nicht preisgab.
Das ist mehr als eine journalistische Pointe. Es berührt ein grundsätzliches Problem moderner Informationsgesellschaften. Je technischer die Darstellung von Information wird, desto größer ist die Gefahr, technische Präzision mit epistemischer Sicherheit zu verwechseln. Satellitenbilder wirken objektiv, Geheimdienstkarten präzise, Tonaufzeichnungen authentisch, Diagramme sachlich. Aber kein Medium kann die Qualität der Schlussfolgerung garantieren, die aus seinem Material gezogen wird.
Ein Satellitenbild zeigt etwas, aber was es bedeutet, muss interpretiert werden; die Aufnahme eines Telefongesprächs dokumentiert Worte, aber was aus ihnen folgt, muss erschlossen werden; eine Geheimdienstquelle berichtet etwas, aber ob die Quelle zuverlässig ist, muss geprüft werden; und eine technische Zeichnung kann veranschaulichen, wie ein mobiles Labor aussehen könnte, ohne damit zu beweisen, dass dieses Labor existiert. Powells Auftritt war gerade deshalb mediengeschichtlich bemerkenswert, weil diese unterschiedlichen Ebenen zu einer gemeinsamen visuellen Dramaturgie verschmolzen. Aus verschiedenen Graden von Unsicherheit entstand im politischen Vortrag der Eindruck eines einheitlichen Beweisraums. Der „full multimedia blitz“, wie die englische Übersetzung des Telepolis-Titels die Präsentation charakterisierte, war insofern nicht bloß Verpackung der Information, sondern Bestandteil ihrer Überzeugungskraft.
Im Rückblick zeigt der Fall eine dunklere Seite jener Informationsgesellschaft, deren Zukunft wenige Jahre später im Internet-Essay untersucht wurde. Mehr Information schützt nicht notwendig vor Irrtum. Auch ein Übermaß an Daten kann eine falsche Gewissheit stabilisieren, wenn ihre Herkunft, Qualität und Interpretationsbedingungen nicht ausreichend unterschieden werden.
Powells Rede und ihre Rezeption bilden deshalb eine frühe Fallstudie jener medialen Evidenzproduktion, die inzwischen noch komplexer geworden ist. Heute kommen zu Satellitenbildern und Geheimdienstinformationen soziale Medien, Echtzeitvideos, algorithmische Auswertung, offene Satellitendaten, synthetische Bilder, Deepfakes und generative Systeme hinzu. Die Menge verfügbarer Evidenz wächst, während die Frage nach ihrer epistemischen Qualität schwieriger wird.
Gerade deshalb besitzt das alte „Non liquet“ eine unerwartete Aktualität, weil weder technische Sichtbarkeit noch institutionelle Herkunft und mediale Präzision einen Sachverhalt für sich genommen beweisen. Nicht alles, was sichtbar gemacht werden kann, ist damit bewiesen; nicht alles, was aus einer Geheimdienstquelle stammt, ist deshalb Wissen; und nicht alles, was technisch präzise präsentiert wird, besitzt dieselbe Präzision in seiner Bedeutung.
Der Powell-Text ist damit nicht nur eine Episode politischer Publizistik. Er gehört zur Medienarchäologie des frühen Netzes, weil sich an ihm drei Entwicklungen gleichzeitig beobachten lassen: die neue internationale Beweglichkeit von Texten, die Entstehung digitaler Gegenöffentlichkeiten und die zunehmende Bedeutung medial erzeugter Evidenz für politische Entscheidungen.
Die litauische Übersetzung von „Die Zukunft des Internets“ und die englische Übersetzung der Powell-Kritik gehören deshalb trotz ihrer vollkommen unterschiedlichen Gegenstände zur selben Geschichte. Im ersten Fall reist ein medientheoretischer Text in eine andere Sprache und Öffentlichkeit. Im zweiten Fall gelangt eine politische Kritik über Übersetzung und dezentrale Netzwerke zurück in den Sprachraum jener Regierung, deren Darstellung sie analysiert. Beide Fälle zeigen eine Öffentlichkeit, in der Texte ihren ursprünglichen Ort verlieren.
Doch der Powell-Fall zeigt zusätzlich, dass diese Beweglichkeit politische Bedeutung besitzen konnte. Ein Beitrag, der in einer traditionellen Medienordnung möglicherweise weitgehend an seine deutsche Leserschaft gebunden geblieben wäre, konnte in englischer Sprache in einen internationalen Diskurs eintreten, gerade weil Übersetzer, unabhängige Plattformen und dezentrale Publikationsstrukturen zwischen den etablierten Medieninstitutionen eigene Kommunikationswege eröffneten.
Diese Struktur war unübersichtlich, gelegentlich chaotisch und archivisch ausgesprochen prekär, aber sie besaß eine tatsächliche Offenheit. Das frühe Netz hatte noch viele kleine Türen. Später wurden viele dieser Türen durch Plattformen ersetzt.
Das hat die Reichweite enorm erhöht und die Eigenständigkeit der einzelnen Publikationsorte zugleich vermindert. Wo Indymedia, private Websites, Blogs und kleine Online-Magazine unterschiedliche technische und ästhetische Öffentlichkeiten bildeten, konzentriert sich ein erheblicher Teil heutiger Kommunikation in wenigen standardisierten Infrastrukturen.
Gerade deshalb besitzt die fragmentarische Überlieferung solcher alten Seiten einen eigenen Wert. Sie dokumentiert nicht nur Inhalte, sondern eine verschwundene Architektur von Öffentlichkeit. Die Schwierigkeit, die konkrete alte Indymedia-Adresse der Powell-Übersetzung heute wiederzufinden, ist daher kein bloßer Recherchefehler am Rand der Geschichte. Sie macht sichtbar, wie wenig das Internet mit einem traditionellen Archiv identisch ist. Ein Text kann weiterexistieren, eine Übersetzung ebenfalls, während die Seite, auf der sie verbreitet wurde, verschwunden ist und nur noch Spuren in Suchindizes, privaten Kopien oder archivierten Serverständen hinterlässt.
Das frühe Internet war gleichzeitig außerordentlich reproduktiv und erstaunlich vergesslich; es vervielfältigte schneller, als es ordnete, und verbreitete weiter, als es archivierte. Gerade dadurch erzeugte es jene eigentümlichen digitalen Fossilien, aus denen sich seine Geschichte heute rekonstruieren lässt.
Zwanzig Jahre später lohnt es sich deshalb, die frühen Zukunftsbilder des Internets wieder anzusehen, nicht um Punkte für richtige Prognosen zu vergeben, sondern um zu erkennen, wie schnell eine technische Zukunft zur unsichtbaren Gegenwart wird und wie sehr zugleich die damaligen Formen von Öffentlichkeit selbst historisch geworden sind.
Die litauische Übersetzung von Dangė Čebatariūnaitė verleiht dieser Rückschau eine zusätzliche, fast unbeabsichtigte Form. Der Text über Vernetzung wurde selbst vernetzt; der Text über Globalisierung wanderte zwischen Ländern; der Text über mediale Übersetzung wurde übersetzt; der Text über den Verlust eindeutiger Orte verlor seinen ursprünglichen publizistischen Ort.
Der Powell-Text fügt eine härtere Variante derselben Bewegung hinzu. Eine amerikanische Regierung erzeugte eine globale mediale Gewissheit; ein deutscher Text stellte diese Gewissheit infrage; eine englische Übersetzung führte die Kritik wieder in den internationalen und amerikanischen Kommunikationsraum zurück; Jahre später räumte derjenige, dessen Autorität die ursprüngliche Gewissheit getragen hatte, selbst ein, dass zentrale Informationen falsch gewesen waren.
Vielleicht besteht genau darin die interessanteste Verbindung zwischen beiden Geschichten. Das Netz war nicht einfach ein Speicher für Texte, sondern ein Raum, in dem Texte wanderten, ihre Sprache wechselten, ihre Öffentlichkeit veränderten, alte Autoritäten bestritten und gelegentlich von der späteren Geschichte auf eine Weise wieder eingeholt wurden, die bei ihrer Veröffentlichung niemand garantieren konnte.
Der Text über die Zukunft des Internets wollte beschreiben, wohin das Netz führen könnte, während der Text über Powell wissen wollte, ob eine politisch erzeugte Gewissheit durch die vorgelegten Informationen gedeckt war. Beide sind inzwischen selbst historische Dokumente einer Epoche, in der das Internet seine politische und kulturelle Form noch suchte, und beide zeigen etwas, das sich zwanzig Jahre später fast deutlicher erkennen lässt als damals: Das Netz bewahrt Texte nicht dadurch, dass es sie an ihrem Platz hält. Es bewahrt sie, indem es sie fortträgt.
Historisches Dokument
Dokument 2006 – Interneto ateitis
Goedart Palm: Interneto ateitis
Aus dem Deutschen übersetzt von Dangė Čebatariūnaitė
Die zweiteilige litauische Fassung bleibt hier als historischer Zustand und als Spur der frühen internationalen Textzirkulation vollständig erhalten.
interneto ateitis
Ein Fundstück aus dem Internet
- hoffentlich ist die Übersetzung gut ;-)
straipsniai:
Goedart Palm: interneto ateitis (1 d.)
rašo transliatore
2006 08 05 @ 17:17:21
tema : tinklo
kultūra
Viename fragmente iš 1880
metų Nietzsche pranašauja interneto atsiradimą:
„…Ateityje bus: 1. nesuskaičiuojama daugybė įstaigų,
į kurias karts nuo karto bus einama sielos gydymo tikslais;
čia kovojama su pykčiu, ten bus kovojama su gašlumu,
ir taip toliau; 2. daugybė priemonių kovai su
nuoboduliu; bet kuriuo metu bus galima girdėti skaitančiojo
balsą; 3. šventės, kuriose atskirus išradimus vienys
bendras šventės tikslas, nes tie, kurie dalyvauja šventėje,
turi būti išradingi; 4. atskiri asmenys ir grupės galės
prižadėti nekreipdami dėmesio į teisines
aplinkybes“.
Nietzsche‘s sveikos, švenčiančios sielos, neturinčios teisinių rūpesčių pastoraline prasme, programa, visų pirma, iškyla kaip palaimos programa, tačiau taip galia pasikliaujantis filosofas tikėjosi emocinės individo stabilizacijos, kolektyvinio sveikatos ir nuovokumo pasaulio, kuriame visomis naujausiomis priemonėmis siekiama sielos išaukštinimo.
Internetas, nepaisant jo militaristinės kilmės, tapo tokia projekto erdve, kurioje viskas turės būti geriau nei bet kur varganame išorės pasaulyje, mus per dažnai paliekančiame likimo valiai. Internetas, vos tik pasirodžius jo neįtikėtinai medijuotai potencijai, pažadėjo techninį humanitarinių pretenzijų įgyvendinimą, potyrių visuomenės ir vartojimo rojaus susiliejimą. Ar tai atsisveikinimas su nesusikalbėjimo, konfliktų, karų istorija? Kelias į saulę, į laisvę – ar visa tai turėtų būti vien tik techninis įtinklinimo (Vernetzung) ir tarpkultūrinės kompetencijos reikalas?
Ankstyvasis kibernetinės erdvės paskelbimas nepriklausoma ir kitos panašios svajonės jau seniai nusileido ne tik niekšingam techno-realizmui, bet ir agresyviai naujųjų virtualiai dominuojančių „autoritetų“ ir eksploatatorių „reikalaujančiai“ politikai (vok. claim Politik). Galbūt virtualios erdvės gyventojai dar nebuvo pribrendę savo naujai dirbtinei salai? Ar Nietzsche‘s šventiškai nusiteikę pilnatvės žmonės, reflektuojantys tai, ko pradžioje buvo bergždžiai ilgimasi, gali susikalbėti su savimi tik naujojoje medijuotoje erdvėje? Apibendrintai klausimas skambėtų taip: kaip medijos gali padėti rasti geresnį žmogišką būdą priešintis tiek išoriniams, tiek vidiniams gamtos trūkumams?
Žinojimo įtinklinimas
Prieš atsirandant internetui, Nietzsche‘s vizijai arba efemeriškai jo rašymo mašinėlei visi dominuojantys internetinės erdvės dalyviai yra medijų fanatikai. Tikint jo žodžių galia, jo knyga, tapusia atmintimi skaitytojui, arba, kaip Walteris Benjaminas vadina, radijo švietimu vaikams, čia kalba visuomet eina apie pranešimo perdavimą ir vienos ar kitos medijos pranašumų ir trūkumų realizaciją pranešime. Tuo pačiu nemenka medijų problema yra ta, kad turiniai išblėsta ir galbūt netgi, kaip manė Platonas, praranda savo pirminę tiesą, kuomet žodžiai užrašomi arba jutimai redukuojami į statiškus vaizdus.
Virtualusis Sokratas dar laukia savo prisikėlimo. Žinojimo įtinklinimas, daug anksčiau už skaitmeninės technikos atsiradimą projektuotos hipernuorodos tarp didžiųjų dvasios projektų, yra didelė europietiškojo švietimo istorijos problema. Dvasia yra nepagaunama, ir varginančios yra pastangos iš jutimų bei patirčių sukurti daugiau ar mažiau patvarų žinojimą ir geresnę žmoniją.
„Pagooglinkime!” Tinklas atsako į visus tuos klausimus, kurie dar vakar buvo užduodami nesitikint atsakymo, nors ir be atsakymo į juos pasauliui nebuvo blogiau. Vis dėlto jau ir enciklopedijos idėja kilo iš noro perduoti visai žmonijai bendrą žinojimą būsimam politiškai ir kognityviai autonomiškam subjektui. Su Encyclopédie pasirodymu Deni Diderot ir Jean-Baptiste‘ui le Rondui tapo aišku, kad senieji žinių įsisavinimui tarnavę veikalai yra atgyvenę. Ateities žinojimas turėtų būti vien tik šios vienkartinės ir galutinės žinių akumuliacijos papildymas.
Iki atrandant plačiajuosčiui internetui išlaidos netgi garsiajai enciklopedijai taip ženkliai peržengė daugumos amžininkų biudžetą, kad jos toli siekianti šviečiamoji funkcija negalėjo būti įgyvendinta. Tuo tarpu tinkle enciklopedijos tampa nieko verta preke, nes ši universalių žinių rūšis netenka savo vertės. Vikipedija rytoj net ir didžiąją enciklopediją privers atrodyti kaip varganą užrašų knygelę.
Tačiau „informacinė visuomenė“ su savo didelės talpos duomenų saugykla yra blanki pasaulio bendruomenės medijinio įsiveržimo, kurio apraiškas tik dabar patiriame, paradigma. Informacijos paradigma jau seniai nebėra paskutinis tinklo atsiskleidimas jo trumpoje laukinių spekuliacijų, kibernetinio hype‘o ir mūsų, kaip vartotojų, biografijos tapimu kasdienybe istorijoje. Tačiau mūsų informacinis apsiginklavimas negarantuoja sėkmingo pasaulio atskleidimo – tiek supratimo, tiek nesupratimo kontekstai tampa vis kompleksiškesni, o kompleksiškumo redukcija individui lieka kaip teorinis pasirinkimas. Kitaip tariant: kuo daugiau mes galime žinoti, tuo mažiau žinome.
Didysis komunikatorius
Internetas, daug plačiau nei apima informacinės visuomenės sąvoka, reprezentuoja politine ir socialine prasme daug aprėpiančią globalaus susikalbėjimo tarp žmonių, siejamų nesuskaičiuojamų geresnio gyvenimo vilčių, idėją.
Bertolto Brechto „radijo teorijos“ kaip egalitariškai sujungto distribucijos aparato, kuris įgalina visus dalyvius tiek gauti, tiek siųsti informaciją, reikalavimas išsipildė, netgi iki įgrisimo realizavosi elektroniniame pašte, bloguose, tinklo bendruomenėse ir vartotojų grupėse. Dabar, nori to ar nenori, „vaizdo ir garso kūriniai“ į virtualią erdvę talpinami kiekvieno, kuris tikisi bent trupučio dėmesio ir įsiklausymo. Blogai tinklo čiabuvius paverčia viešai privačios erdvės kūrėjais. Privačios erdvės viešumas diferenciaciją tarp viešumo ir privatumo visuomeniniuose santykiuose daro nebegaliojančią.
Dieterio Kunzelmanno pasakymas „Koks mano reikalas, kas vyksta Vietnamo kare, jei aš turiu problemų dėl orgazmo“, kuris iš tiesų priklauso Raineriui Langhansui, politiškai savimi patenkintam pasaulio tvarkdarių diskursui tapo fundamentaliu kirčiu. Sparčiai besivystanti blogosfera fiksuoja tai, kas lig šiol privačių dienoraščių, pokalbių arba prisiminimų pavidalu negalėjo turėti ilgalaikės komunikacijos pretenzijos, tuo labiau pretenzijos, kad tai, kas yra ypatinga, būtų taip perteikta tame, kas visuotina, kad pasaulio dvasios tai nebūtų banaliai nuvalkiota.
Ši nenumatyta viešumo struktūros kaita, privatumo įsiveržimas į viešąjį diskursą yra centrinė, vis dar nepilnai įvertinta interneto struktūros ypatybė.
Tinklo politizavimas
Brechto kolektyvinio siuntėjo-gavėjo aparato reikalavimas buvo revoliucingai provokuojanti pretenzija, kuri valdančiajai klasei turėjo aiškiai parodyti, kur juos galėtų nupūsti istorijos vėjas. Kolektyviškumui pritaikytas komunikavimo būdas rodėsi tapsiąs medijų technologiniu (medientechnisch) atsaku į tikrą politinį dalyvavimą, kuris masinėse demokratijose negalėjo funkcionuoti dėl to, kad liaudies valia buvo nuleidžiama iš viršaus į apačią. Ar šiandien mes – prisimenant Busho militaristinį demokratijos supratimą – esame iš tiesų toliau pažengę?
Įtinklinimas medijų technologine kalba apie demokratiją ir dominuojantį diskursą. Tai, kad tinklo gyventojai, ateityje žengdami kartu su medijomis, iškovos joms ypatingai atkaklų gyvenamą pasaulį ir autonomišką laiką, yra laikoma kaip kibernetinis etinis lozungas prieš skaitmeninės kultūros bei ne-kultūros greičio spirales ir piktnaudžiavimą suvokimu. Jau Paulo Virilio „įsiūčio neveikimo“ („rasende Stillstand“) paradigma pakuždėjo apie moralę, kuri yra pakankamai stipri, kad pralaužtų medijinę savieigą. McKenzie Warkas savo „The Hacker Manifesto" pasakoja seną moralistinę istoriją apie valdytojus ir maištininkus, šįkart perkeltą į naują virtualią sceną, sudarytą iš personalinių kompiuterių, kodų ir interneto. Įvedus naują paralelinį virtualaus pasaulio lygmenį senosios laisvės istorijos vėl susisieja. Michaelis Hardtas ir Antonio Negri pristato naują virtualią "Multitude" (liet. daugumą (žmonių)), kuri klajodama priešinasi klastingam „Empire“ kapitalo interesui ir po skaitmeniniu grindiniu ieško kranto.
McKenzie Warko kūrinyje vaidmenys paskirstomi taip greit ir apdairiai kaip ir Hardto/Negri atveju: vienoje pusėje pristatoma imperialistinė „vektoralistų klasės“ valdžia, tų, kuriuos anksčiau vadinome kapitalistais, neoliberalais arba buržua, o kitoje pusėje auga geroji hakerių jėga, taigi tų, kurie iššifruoja visus galimus kodus, juos virtualizuoja ir, kaip būdinga utopistinių pasakojimų eigai, galų gale išpina valdžios santykius – tam, kad mus nuvestų į pažadėtąją žemę.
Tuo tarpu mes, greičiausiai, liekame stebėtis – tik jau nebe taip euforiškai – prieš savo mega-multi kanalus, kurie, nors ir rodydami į skirtingas puses, jau seniai nesilaiko švietimo ir dalyvavimo diskurso linijos, atitinkančios Brechto medijų apriori. Dėl šios priežasties ginčas dėl karikatūrų pasiekė groteskišką agresyvios kovos kultūros kulminaciją, kurios nesibaigė kovojančiųjų pusių nuovargiu, tuo labiau nerado sprendimo. Bjaurieji kandidatai į senos piktos valdžios vietą tinkle yra lygiai taip pat visur esantys kaip ir „realiame gyvenime“. Taip pat ir valstybės, šio sunkiai sėkmės siekiančio Leviatano, virtuali medžioklė dar tik prasidėjo.
Ir iš tiesų pasakiškos idėjos apie greitą praturtėjimą tinkle veikia kaip nauja kapitalistų, kurie jau seniai išmoko pinigus suvokti kaip virtualų mediumą, turbo-centrifuga. Ar virtualus kapitalas tik tinkle įgyja savo rizikingiausią formą, kuri galutinai suardo nusistovėjusį ryšį tarp produkcijos, darbo ir uždarbio ir taip vis labiau neįtikėtina tampanti teisingų visuomenių bazinė ideologija palaidojama dėl augančios bedarbių kariuomenės?
Žiedas, juos visus pavergiantis, juos visus randantis, nuvarantis į Tamsą ir amžinai surišantis. Mordoro šalyje, kur šešėliai grūmoja.
Kas šiais laikais turi galios žiedą? Mes susiduriame su vidiniu žinojimu (insiderwissen), kuris užsisklendžia nuo open-source (atviro kodo) mentaliteto, ir virtualiais Augūrais, kurie žiūri ne į žemėlapius, o į kodus. Kibernetiniai diktatoriai laukia, kol galės mus pavergti – greičiausiai tuo pačiu senuoju priespaudos mechanizmu, besiskiriančiu tik tuo, kad duomenų viešpatavimas funkcionuoja nematomiau, tyliau. Davidas Brownas išpranašavo „Kibernetinę diktatūrą – demokratijos pabaiga informacijos amžiuje“ (1997), kadangi įprastos politinės – socialinės struktūros bus sunaikintos naujos technikos. Vakarų pasaulis pastoviai leidžiasi žemyn (tokioms „madoms“ net ir nesant neišvengiamoms – kaip ir už jų esantiems apokalipsiniams teoriniams modeliams). Šiaip ar taip, katastrofiniai pasakojimai apie kibernetinį karą ir virtualius pilietinius karus iki šiol yra tik kibernetinis hype‘as ir nesuteikia techniškai generuojamos dalyvavimo formos, palaikomos blogai definuotų tarpinių padėčių, kuriose galios žaidimų antagonizmai lieka vitališki iki nejaukumo.
Internetas neatstovauja jokiai politiškai uždarai formai, jis priklauso prognostiniams krištolo kulkos mitams – medijų technologinėms sąlygoms veikiant jie linksta į vieną ar kitą klasikinių valdymo formų pusę. Kultūros pesimistų mėgstami Orwello klasikinio valdymo scenarijai kaip klasikinio valdymo tęsinys operuojant geresnėmis priemonėmis, kuriose mes esame beviltiškai įstrigę apgaulingoje RFID – siųstuvų matricoje, nėra neišvengiama įtinklinimo forma. Informacija mintantis visuotinis stebėjimas nepademonstravo supratingumo tarptautinio terorizmo akivaizdoje, kad būtų užkirstas kelias daugybei katastrofų.
Atskira tinklo struktūra nei medijų kritikams, nei medijų šalininkams šios super-medijos neleidžia patalpinti į bendrą medijinę techninę formulę. Nė vienas, stebintis drastiškus valstybinius ar privačius valdžios siekius tinkle, nebetiki tuo, kad galėtų susiformuoti visų virtualių pasaulio gyventojų kompromisiškai orientuotas tinklo etiketas, atitinkantis aukštus formalaus ar netgi materialaus etiketo standartus. Tik duomenų karas visų prieš visus jau seniai nebėra virtualus pilietinis karas.
Mes verčiau pasineriame į skaitmeninį
rafinuotumą, telepolį su kibernetiniais kriminalais ir
kibernetiniais policininkais, sukčiais, kurie virtualiais
triukais atlieka realius įsilaužimus. Galia ir bejėgiškumas,
konfliktas ir susitarimas tinkle egzistuoja labai arti vienas
kito, kaip tie trykštantys gerovės šaltiniai, kur viename
„milijono dolerių puslapyje“ kas nors siūlo per
keletą savaičių patirti laukinę aukso karštinę,
o kitame staiga pradingsta kaip godus kapitalizmo dinozauras
meteoritų lietuje.
Iš vokiečių kalbos vertė Dangė Čebatariūnaitė
Tekstas iš el. žurnalo „Telepolis“, nuoroda į teksto originalą:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22209/1.html
straipsniai: Goedart Palm: interneto ateitis (2 d.)rašo transliatore 2006 09 10 @ 18:57:50
tema : tinklo kultūra Tęsiame vokiečių eseisto ir filosofo straipsnį apie interneto ateitį. Šioje dalyje kalbama apie virtualią globalizaciją, Homo internetiensis ir kitokią virtualią ilgalaikę žalą.
Virtuali globalizacija
„Globalizacija“ spartaus informacijos ir kapitalo augimo prasme reiškia naujo šių dienų žemyno pavadinimą. Tuo pačiu tai yra kategorinio bejėgiškumo žodis, nes čia viskas, kas anksčiau būtų buvę išanalizuota ideologijos kritikos, sutelkiama vienoje sąvokoje. Ką reiškia „globalu“?
Globalus pasaulis nesirenka provincijos agoroje, kad bendruomeniškai taikiai apspręstų pasaulio gerovę ir skausmus. Maršalo McLuhano kaimiškos bendruomenės apreiškimo religija nebūtų įmanoma dėl nuolat puolimui pasiruošusių internautų, nesuskaičiuojamų puslapių nuorodų ir tinklo bendruomenių. Egzistuoja klanai, subkultūros, virtualios scenos; globaliame kaime jie jau seniai nebėra siejami didelės atsakomybės, juos sieja tik tai, kad jų duomenų srovės nori tekėti nekliudomos. Tinkle egzistuojantys ryšiai nėra susieti kaimiškai ar morališkai, kadangi žmones vieną nuo kito skiria vienintelis mygtuko paspaudimas, ir rodo tik paviršutinišką dėmesį.
„Internete Niujorko miestas yra atstovaujamas daugiau nei visa Afrika“, neseniai pasakė Triero vyskupas Reinhardas Marxas. Gerasis ganytojas perspėja dėl medijinės kolonizacijos, kuri kelia grėsmę savarankiškumui, asmeninei atsakomybei ir kultūrinei įvairovei. Nė kiek ne ironiška, kad iki šių dienų galinga, visais medijiniais kanalais operuojanti organizacija tinklą pristato kaip švietimo instrumentą.
Tuo tarpu blogais visų rūšių ideologams laikais galėtų apsireikšti geroji tinklo naujiena. Ar tinklas ilgainiui netampa globaliu niveliacijos volu, kuriam tereikia duoti užtektinai laiko, kad jis galėtų išpildyti savo misiją? Cenzūra Saudo Arabijoje ar Kinijoje byloja apie seną deideologizacijos baimę, apie vertybių, religijų, etikų niveliaciją ir t.t. Būtent fundamentalistinis įsiūtis dėl nesulaikomo duomenų perdavimo, karas su laisvai cirkuliuojančiomis nuomonėmis (šis karas skubotai palaikytas kova tarp kultūrų) liudija apie vitališkiausias tinklo ypatybes.
Tačiau kodėl mes galutinai nenuslystame žemyn nuo virtualios nugaros? Mes vienu metu esame ir storaodžiai, ir jautrūs, įtampa tarp pasaulio stebinimo ir autizmo yra mums būdinga šizo–būsena. Kokios yra tos globalios mus „visus“ siejančios temos? Karikatūrų skandalas, vienai akimirkai supinantis skirtingas tautas, grupes ir atskirus asmenis, lieka kaip išimtis. Vis dėlto „The digital gap“ (liet. skaitmeninis sklastas) nėra tik virtualaus kolonializmo, besidarbuojančio naujomis priemonėmis, istorija. Robertas Gernhardtas aiškina karikatūrų ginčą:
„Mano didžiausią nepasitenkinimą sukėlė tai, kad aš nemačiau tų karikatūrų gyvai... Šiaip ar taip, aptartas karikatūras aš mačiau tik kartą sužybsint per vakaro žinias. Dabar mes atsidūrę nepilnametystės būklėje“.
Vargšas Robertas! Švietimas, kaip žinoma, yra „išeitis žmogui iš jo paties susikurtos nepilnametystės“, o tai mūsų didžiojo dailininko Gernhardto atveju galėtų būti įgyvendinta per nekliudomą priėjimą prie visų skaitmenizuotų šėtono įrankių.
Tuščia prognostika
Atsimenu seną istoriją, kurioje vienam kinui prieš akis buvo „praleisti“ Vakarų kultūros pranašumai. Jis paklausė: „Ką jūs turite?“ Jam buvo atsakyta: „Geležinkelius, automobilius, telefoną“. – „Man labai gaila, kad turiu Jums tai pasakyti“, mandagiai atsakė kinas, „mes visa tai jau vėl pamiršome”. Bertolt Brecht, Radijo teorija
Senosios medijos, visų pirma, yra tyrimų medžiaga medijų archeologams, kurie džiaugiasi, kad tos fosilijos nebegali pabėgti nuo iš paskos skubančios medijų teorijos. Ką žada „ateities internetas“? „Interneto televiziją“ su šimtais kanalų HDTV rezoliucija arba, kaip skelbiama vienoje reklamoje, „numerį viskam – telefonui, telefaksui, internetui“? Tokia visapusiškai supintų žmonių techno-ateitis žada ne daugiau nei mes jau seniai patyrėme – garbingą kančią.
„Kryžminis medialumas“ ("Crossmedialität") taip pat yra tokia trumpo sujungimo poveikį turinti „įprekintojo“ (Vermarkter) burtų formulė, kuri kyla iš medijų vidinės sąveikos ir jų valdymo formų, neatskleidžiant jokių reflektuoto medialumo savybių. Tačiau virtualiai sukurtame pasaulyje mes norime sugauti mediumą betarpiškai, taigi jokiu būdu ne gremėzdiškais aparatais ir rizikingomis sandūromis, norime komunikuoti su virtualiu pasauliu ir jame dalyvauti. Medijų išnykimas buvo jų ankstesnis įstatymas. Medijos nenori būti pastebėtos, internetas pavirsta į poodyje veikiantį aparatą, kuriame mūsų virtualūs reprezentantai viską sutvarko taip gudriai, kad mes liekame išlaisvinti nuo visų mus sunkinančių pasaulio santykių. Medijos lieka iki galo vergiškais likimo atliekų pašalinimo agentais ir vartotojiškumo prasme laimingais „momentiniais suvartotojais“.
Tų, kurie medijas apibrėžia tik kaip technines dabarties ekstrapoliacijas, t. y., jas tik skiemenuoja greičiau, integruočiau ir labiau susijusiai, ateities prognozės nesiekia daug toliau. Išsilydymas, hibridizacija ir medijų kanibalizmas slepia technines dinamikas, apie kurias mūsų šiandieninė „galutinė išmintis“ dar nedaug teleidžia svajoti. Ką žada reklamuojama biotechnologija susivienijusi su išsiplėtojusiu internetu? Kokiais būdais nanotechnologijos ir paralelinio kompiuterio kombinacija peržengia šiandieninę techniką? Mums reikia interneto uodimui, ragavimui, lietimui – tai leidžia pamiršti „Society of the screen“ („Ekrano visuomene“ - Levas Manovičius) – tam, kad įsisavintume sinestezinį suvokimo horizontą. O už šio horizonto nesuskaičiuojamų techninių „joint-ventures“ laukia kitos, vardiškai ir funkcionaliai nepažįstamos super-technologijos, kurios patenkins ir tokias pretenzijas, kurių šiandien dar negalime suformuluoti. Kaip žinia, medijos tuoj pat „gamina“ savo subjektų norus, neatimdamos iš mūsų savimyliškos iliuzijos būti jų valdovais.
Po Karlo Valentino galima būti tikriems, kad net ir ateitis anksčiau buvo geresnė nei dabar. Posakis ne tik komiškas, jis likviduoja ateities šlamesį. Dėl šios priežasties rimta filosofija visuomet atsisakydavo prognostikos. Friedrichas Nietzsche labai prisidėjo prie „ateities filosofijos“ – tam, kad galų gale konstatuotų, jog žinojimas apie ateitį negali norėti būti rimtas:
Man patinka ateities nežinojimas, ir aš nenoriu pasiduoti nekantrumui ir smalsumui užbėgti už akių.
Mados tyrimas, tildantis šį augantį nekantrumą, yra farsas, jeigu jis nori spręsti daugiau nei apie kitą rytą. Daugelis jau manosi gyvenantys ne dabartyje, o permanentiškoje tranzitinėje ateities pažadų, kurie yra visai šalia išpildymo, erdvėje. Senosios ateities tyrėjas Hermannas Kahnas išplėtojo tokią ateitį, kuri savo seniai praėjusią dabartį, septintąjį dešimtmetį, ne genialiai aplenkė, o laiko dvasiai tik perleido truputį futuristinį spindesį. Tas, kuris sako ateitis, meluoja abejodamas.
Homo internetiensis ir kitokia virtuali ilgalaikė žala
Internetas turi visuomeninį pavidalą, kuris taip skiriasi nuo visų kitų realaus gyvenimo visuomeninių struktūrų, kad iš jų perimtas sąvokų instrumentariumas pasirodo esąs toks antikvarinis, koks, pagal Güntherį Andersą, vėlyvajame savo etape yra pats žmogus. Toks augantis internetas jau seniai nebėra virtualus šešėlių pasaulis, kuriame juda tie, kurie realiame pasaulyje neaiškiai save išreiškia – kaip tai liudija tariamų interneto „narkomanų“ pašaipūnai. Ar Koperniko posūkis vis dar priešakyje? Ar kadaise realus pasaulis taps varginančiu techniškai ir socialiai besiplėtojančio tinklo priedu, kuriame bus konstruojami realūs santykiai tarp žmonių?
Žinoma, žmogiškojo kūno vaidmuo šioje sutemų zonoje liudija apie nešvarią sandūrą. Naujos veikimo formos, nuo kompiuterio dėžės nutolusios į universalią išradingą palydą, mums vis tik žada informacinę odą, dėl kurios greit pasirodys neverta klausti, kas yra biologinės ir kas skaitmeninės atminties saugyklos.
Identitetas yra nusistatymo klausimas, o noras jį nusistatyti virtualiuose prospektuose tampa vis silpnesnis. Šiandieninis homo internetiensis, kuris prieš monitorių sulinkusia nugara vertikalią eiseną pakeičia powersurfingu, neturėtų būti paskutinis atsakas į vis labiau pavargstantį homo sapiens. Taip mūsų skaitmeniniuose komforto pasauliuose atsiranda nauji medijų tipai su nepažįstamais gestais, kurie nebenori atitikti įprastų auklėjamųjų funkcijų. Mados tyrėjai kalba[1] apie šį naują medijų ir vartojimo tipą:
Mes pradedame atsisveikinti su masinėmis informavimo priemonėmis (žiniasklaida) ir sukame link skaitmenizuoto ir individualizuoto medijų vartojimo amžiaus.
Tačiau pats individas yra sena būsena, kuri galėtų sunykti, jei mes taptume tik informacijos cirkuliacijos vieta. Daugialypė asmenybė yra terapijos nepaveikiama būsena tų tinklo gyventojų, kurie yra tokie nepaklusnūs, kad galiausiai jiems nerūpi net mada. Patys asmenybės momentai, kurie jau nesuskaičiuojamose tabu zonose išsisukinėja nuo savo socialinės artikuliacijos, yra visuomeniškai pajėgūs. Kanibalams, norintiems iš virtualaus kontakto pereiti į realų pokylį, lieka prieštaringa kategorijų problema. Tik kuomet tai vyksta virtualiai, „aš esu kitas“.
Tikrovės sumaištis neseniai viešpatavo ir Šanchajuje: kai buvo nudurtas žaidimų draugas – mat pergalė buvo sunkiai iškovota, buvo parduotas virtualus kardas „Dragon Sabre“ iš interneto spektaklio „Legend of Mir III“. Medijiškai etinis ištisos linijos atsisakymas, apdraustas laisvės atėmimu iki gyvos galvos. Ilmenau universitetas „skaitmeniniams žaidimams“ skiria daug vietos „multimedijos pritaikymų“ katedroje, tačiau ar to užtenka, kad virtualiai realūs senojo suvokiančio gyvūno žmogaus kampai būtų nušlifuoti, turėtų būti daugiau nei abejotina.
Mūsų emancipuoto medijų naudojimo teorijoje mes nepaliaujamai kovojame su blogosiomis medijomis ir jų klastingais eksploatatoriais. Tačiau ar savalaikiškumo atkaklumas (Eigenzeit-Beharrung) prieš tinklų tinklą yra daugiau nei fetišas, kuris neišvengiamame greitėjime lieka be tikrosios magijos? Žmogaus ateities in-formacijų kokybė mažų mažiausiai atsilieps nusigręžimu nuo technikos arba kukliu noru ją instrumentalizuoti.
Be interneto ne vien rytoj būsi niekas. Luditai visuomet buvo istoriniai pralaimėtojai, tokie patys gali būti ir jų filantropiniai ketinimai. Jų erdvėje imersiški yra ne tik kibernetinės erdvės scenarijai, sąmonė taip pat turi būti imersiška arba ji turi apsispręsti pasitraukti. Evoliucinė homo cybersapiens provokacija nėra užaštrinama kibernetiškai etiškai, ji reikalauja būti įleista į medijinį sūkurį dar giliau, dar neatšaukiamiau. Ar virtualus pasaulis galėtų sukilti prieš realų?
Virtualaus pasaulio atsiskyrimas nuo realaus pasireikštų nauja super-regiono forma. Kas iš to išeitų, mes negalime žinoti. Internetas, kaip komunikacijos mediumas, ir jo apsiginklavimas šioje vietoje vis tik peržengia čia-būties (Da-sein) ribas – tam, kad paaiškintų savo pasaulį su savo žaidimo taisyklėmis ir savo chaosu. Tas, kuris nori sėkmingai įvaldyti šiuos santykius, pats turi suskaldyti „conditio humana“, kadangi ji yra ne taip lengvai uždegama virtualių tariamai naujos hakerių klasės pažadų kaip tarphumanitarinių logikų, kurių dar nepasiekė joks žmogiškas „hackas“.
Klausimas, ką su mumis daro medijos, ateityje negalėtų būti prioritetinis. Vienintelis klausimas galėtų būti toks: ką medijos daro su medijomis? Nėra visiškai neįmanoma, kad žmonės šio klausimo akivaizdoje ras savo paprastą biotopą – iki (klausimo?) panaikinimo.
[1] http://www.ffpr.net/gast.php?PHPSESSID=49172628c66f4ba33e1fae3c59320bbd
Iš vokiečių kalbos vertė Dangė Čebatariūnaitė
Tekstas iš el. žurnalo „Telepolis“, nuoroda į teksto originalą:
Dokumente und Nachweise
- Goedart Palm: Die Zukunft des Internet, Telepolis, 10. März 2006 – deutscher Ausgangstext der litauischen Übersetzung.
- Balsas.cc – aktualios ir medijų kultūros žurnalas – publizistischer Kontext der zweiteiligen Übersetzung Interneto ateitis; die historischen Beitragsangaben sind im Dokumentblock erhalten.
- Nichts als die Wahrheit oder Onkel Powells Märchenstunde?, Telepolis, 6. Februar 2003.
- Facts, facts, facts! Or Uncle Powell’s fairy tale hour as a “full multimedia blitz” for unbelievers? – erhaltene englische Übersetzung und Dokumentation auf der eigenen Translations-Seite.
- Commission on the Intelligence Capabilities of the United States Regarding Weapons of Mass Destruction – offizieller Bericht zu den fehlerhaften Vorkriegseinschätzungen, zu „Curveball“ und den behaupteten mobilen Biowaffenanlagen.
- Colin Powell: U.N. Speech “Was a Great Intelligence Failure” – dokumentiertes Interview im PBS-Frontline-Archiv.
- Powell Calls U.N. Speech “Painful” – zeitgenössischer Bericht über Powells Bezeichnung der Rede als „blot“ auf seiner Bilanz.
Die englische Übersetzung selbst ist erhalten. Marc Batkos Übersetzungstätigkeit für amerikanische Indymedia-Zusammenhänge ist dokumentiert; als damalige Kontaktangaben sind mbatko@lycos.com und mbtranslations.com überliefert. Ein konkreter historischer Indymedia-Datensatz genau dieser Powell-Fassung konnte bislang nicht eindeutig rekonstruiert werden. Deshalb wird hier keine bestimmte Indymedia-URL behauptet.