Es gab einmal Stunden, die einfach nicht vergingen: Sonntagnachmittage, Feriennachmittage, Wartezimmer, Bahnsteige, Besuche bei Verwandten, bei denen Erwachsene Dinge besprachen, deren Bedeutung sich einem nicht erschloss und deren Ende, weil niemand die Absicht erkennen ließ, es herbeizuführen, vollkommen unbestimmt blieb. Man sah aus dem Fenster, untersuchte zum zehnten Mal denselben Gegenstand, blätterte in einer Zeitschrift, deren Bilder und Texte man längst kannte, und entdeckte dabei, ohne diese Entdeckung begrifflich fassen zu können, eine höchst eigentümliche Eigenschaft der Zeit: dass sie nämlich keineswegs mit gleichbleibender Geschwindigkeit vergeht, sondern sich, sobald nichts geschieht, das ihren Verlauf verdeckt, beinahe ins Unermessliche ausdehnen kann. Heute ist eine solche Erfahrung schwerer herzustellen, weil überall dort, wo ein paar Sekunden Leerlauf entstehen, bereits ein Gerät bereitsteht, um sie zu beseitigen. An der Bushaltestelle, im Aufzug, im Restaurant, wenn das Gegenüber zur Toilette gegangen ist, in der Warteschlange, im Bett vor dem Einschlafen greift die Hand nahezu reflexhaft zum Telefon, auf dem Nachrichten, Bilder, Spiele, Musik, Videos, Kommentare, Empfehlungen, Empörungen und Menschen bereitstehen, von deren Existenz man bis vor wenigen Augenblicken keinerlei Kenntnis hatte. Das Smartphone ist insofern nicht nur ein Kommunikationsgerät, sondern eine Apparatur zur systematischen Verhinderung unbesetzter Zeit.
Das klingt zunächst nach einem beträchtlichen zivilisatorischen Fortschritt, weil Langeweile zu den Zuständen gehört, deren Beseitigung kaum jemand bedauert. Wer sich langweilt, möchte, dass etwas geschieht. Kinder teilen ihren Eltern mit, dass ihnen langweilig sei, als folge daraus eine vertragliche Verpflichtung der Erwachsenen zur unverzüglichen Wiederherstellung einer interessanten Welt. Erwachsene formulieren denselben Anspruch diskreter, indem sie den Sender wechseln, eine Website öffnen, Nachrichten kontrollieren, eine Tätigkeit beginnen, eine andere abbrechen und in der Zwischenzeit noch einmal nachsehen, ob irgendwo etwas geschehen ist. Gerade darin liegt jedoch bereits ein Missverständnis, denn Langeweile bezeichnet nicht notwendig die Abwesenheit von Tätigkeit. Man kann sich beim Sortieren von Akten langweilen, beim Fernsehen, beim Autofahren, während eines Gesprächs, bei einer Feier, in einer Sitzung oder während einer Arbeit, die einen vollständig beansprucht. Tätigkeit und Langeweile sind keine Gegensätze. Im Gegenteil kann die Tätigkeit selbst zur Organisationsform der Langeweile werden, wenn sie genügend Bewegung erzeugt, um den darunterliegenden Zustand nicht sichtbar werden zu lassen.
Dass diese Unterscheidung mehr als eine essayistische Behauptung ist, zeigt die neuere psychologische Langeweileforschung recht deutlich. John Eastwood und seine Kollegen schlugen 2012 eine inzwischen häufig aufgegriffene Definition vor, nach der Langeweile als aversive Erfahrung zu verstehen ist, bei der ein Mensch sich befriedigend beschäftigen möchte, dazu aber nicht in der Lage ist. Entscheidend ist dabei nicht die äußere Untätigkeit, sondern die fehlende Bindung der Aufmerksamkeit. Man kann also durchaus handeln und zugleich gelangweilt sein, weil es nicht gelingt, die eigene Aufmerksamkeit so an die Tätigkeit zu binden, dass sie als befriedigend erlebt wird. Die Psychologie verschiebt damit den Begriff von der Frage, ob etwas getan wird, zu der sehr viel interessanteren Frage, ob sich der Handelnde in dem, was er tut, tatsächlich engagiert. Ein Mensch kann äußerlich vollkommen beschäftigt und innerlich in einem Zustand bemerkenswerter Unbeteiligtheit sein.
Die ältere europäische Kultur besaß für verwandte Erfahrungen eine ganze kleine Metaphysik: Ennui, spleen, Taedium vitae, Weltschmerz. Diese Wörter bezeichneten keine vorübergehende Unterversorgung mit Unterhaltung, sondern eine Erfahrung, in der nicht einzelne Dinge langweilig erschienen, sondern die Welt selbst ihren Aufforderungscharakter verlor. Der gelangweilte Mensch steht den Dingen gegenüber, ohne recht zu wissen, weshalb er mit ihnen etwas anfangen soll, nicht deshalb, weil keine Handlung möglich wäre, sondern weil die möglichen Handlungen ihre Dringlichkeit eingebüßt haben. Gerade deshalb kann einer, der den ganzen Tag beschäftigt ist, am Abend feststellen, dass er sich im Grunde den ganzen Tag gelangweilt hat. Er hat telefoniert, geschrieben, geantwortet, gelesen, gefahren, eingekauft, gegessen, geplant und erledigt, und dennoch haftete jeder einzelnen Tätigkeit etwas eigentümlich Austauschbares an, weil keine von ihnen den Zustand, den sie überdecken sollte, tatsächlich berührte.
Begrifflich sollte man diese historischen Formen allerdings nicht vorschnell ineinander überführen. Das Taedium vitae Goethes, Baudelaires Ennui oder Spleen und das, was die gegenwärtige Psychologie unter boredom untersucht, gehören keiner identischen Begriffsgeschichte an. Das Taedium vitae reicht bis an Lebensüberdruss und Todesmüdigkeit heran, während der moderne psychologische Begriff sehr viel enger als ein aversiver Zustand misslingenden Engagements untersucht werden kann. Gerade der Abstand zwischen diesen Begriffen ist jedoch aufschlussreich. Er zeigt, wie eine Erfahrung, die einmal metaphysisch, moralisch oder existenziell beschrieben wurde, in der experimentellen Psychologie in Komponenten wie Aufmerksamkeit, Bedeutung, Erregung und Motivation zerlegt wird. Die wissenschaftliche Nüchternheit widerlegt dabei die ältere Erfahrung nicht. Sie beschreibt auf einer anderen Ebene, welche Mechanismen daran beteiligt sein können, wenn die Welt ihre Fähigkeit verliert, einen Menschen an sich zu binden.
Wie konkret dieser Lebensüberdruss werden kann, zeigt Goethe in Dichtung und Wahrheit an einer jener Geschichten, deren eigentliche Pointe gerade in der Lächerlichkeit des Anlasses liegt. Im dreizehnten Buch erzählt er von einem Engländer, der sich erhängt habe, um sich nicht mehr täglich aus- und anzuziehen. Die einzelne Verrichtung ist dabei so belanglos, dass sie gerade deshalb zum vollkommenen Ausdruck des Überdrusses werden kann. Nicht das Ankleiden ist unerträglich geworden, sondern die Aussicht, dass sich diese und tausend andere Verrichtungen morgen, übermorgen und am folgenden Tag in einer im Prinzip identischen Welt wiederholen werden. Goethe stellt die Geschichte ausdrücklich in einen Zusammenhang, in dem die regelmäßige Wiederkehr der Dinge, die gewöhnlich das Behagen am Leben trägt, ihren Reiz verliert und schließlich als Last erfahren werden kann. Der Lebensüberdruss besteht dann nicht darin, dass nichts mehr geschieht, sondern darin, dass alles noch einmal geschehen soll.
Eine andere und sehr viel persönlichere Dimension erhält dieses Taedium vitae in Goethes Brief an Carl Friedrich Zelter vom 3. Dezember 1812. Zelter hatte ihm vom Suizid seines Stiefsohns berichtet, und Goethe antwortet nicht mit einer moralischen Verurteilung der Tat, sondern mit einer auffallend empathischen Selbstvergewisserung. Wenn das „taedium vitae“ den Menschen ergreife, schreibt er, sei dieser „nur zu bedauern, nicht zu schelten“. Dass die Symptome dieser „wunderlichen“ Krankheit auch sein eigenes Innerstes durchrast hätten, daran lasse der Werther keinen Zweifel. Goethe spricht hier also nicht mehr über die groteske Chiffre einer alltäglichen Wiederholung, sondern über eine Erfahrung, die er auf seine eigene Biographie zurückbezieht und die bis an den Rand des Suizids reicht. Gerade deshalb sollte man das Taedium vitae nicht einfach mit gewöhnlicher Langeweile gleichsetzen. Es bezeichnet einen Lebensüberdruss, in dem die Unfähigkeit, sich noch an die Welt zu binden, eine existenzielle Schwere gewinnt, die weit über das momentane Gefühl hinausgeht, nicht hinreichend beschäftigt oder interessiert zu sein.
Die heutige Psychologie kommt diesem älteren Gedanken auf einem überraschend nüchternen Weg wieder entgegen. Erin Westgate und Timothy Wilson unterscheiden in ihrem sogenannten Meaning and Attentional Components Model zwei wesentliche Ursachen von Langeweile. Die eine betrifft die Aufmerksamkeit. Eine Tätigkeit langweilt, wenn ihre kognitiven Anforderungen nicht zu den verfügbaren geistigen Ressourcen passen. Bemerkenswert ist, dass dabei nicht nur Unterforderung Langeweile erzeugen kann. Auch Überforderung kann dazu führen, dass Aufmerksamkeit nicht mehr erfolgreich gebunden wird. Die andere Ursache betrifft Bedeutung. Eine Tätigkeit kann durchaus anspruchsvoll sein und dennoch langweilen, wenn sie dem Handelnden ohne Bezug zu seinen Zielen und damit bedeutungslos erscheint. Aufmerksamkeit und Sinn sind dabei keine austauschbaren Größen. Eine sehr einfache Tätigkeit kann sinnvoll und trotzdem langweilig sein, während eine anspruchsvolle Tätigkeit, deren Zweck einem gleichgültig ist, denselben Zustand aus einem anderen Grund hervorbringen kann. In wissenschaftlich nüchterner Sprache entsteht damit nahezu dieselbe Konstellation, die der ältere Begriff des Ennui sehr viel pathetischer beschrieben hatte: Es fehlt nicht notwendig an Welt, Tätigkeit oder Reiz, sondern an einer gelingenden Beziehung zwischen dem Menschen und dem, womit er gerade beschäftigt ist.
Solange etwas unsere Aufmerksamkeit vollständig beansprucht, bemerken wir die Zeit kaum. Erst wenn diese Beanspruchung nachlässt, tritt sie hervor, weshalb sich Langeweile als eine Form der Sichtbarkeit von Zeit beschreiben lässt. Auch dieses subjektive Dehnen der Zeit gehört zu den immer wieder beschriebenen Merkmalen der Langeweile. Die Zeit vergeht objektiv nicht langsamer, wird aber gerade deshalb stärker wahrgenommen, weil eine Tätigkeit sie nicht mehr absorbiert. Bei Kindern kann man das besonders deutlich beobachten. Ein Nachmittag besitzt dort eine Ausdehnung, die dem Erwachsenen vollständig verloren gegangen ist. Zwischen Mittagessen und Abendbrot liegen Kontinente, und ein Sommer kann länger dauern als später fünf Jahre. Das hängt mit Neuheit, Erinnerung und den Proportionen eines kurzen Lebens zusammen, aber ebenso damit, dass Kinder noch Zeiträume kennen, die nicht vollständig mit Tätigkeiten besetzt sind. Irgendwann müssen sie etwas erfinden, nicht aus pädagogischer Tugend, sondern weil nichts angeboten wird. Aus einem Stock wird eine Waffe, aus einer Decke eine Höhle, aus drei Figuren eine Geschichte, deren Regeln während des Spiels verändert werden. Daraus folgt nicht, dass Langeweile automatisch kreativ macht. Dafür ist die empirische Lage sehr viel weniger eindeutig, als populäre Lobreden auf die Langeweile häufig suggerieren. Langeweile kann ebenso stumpfsinnig, aggressiv oder quälend sein. Entscheidend ist etwas Bescheideneres: Zwischen dem Fehlen eines Reizes und der Reaktion darauf bleibt eine Lücke bestehen, die nicht bereits von einem industriell bereitgestellten Angebot geschlossen worden ist.
Was hier zunächst wie eine metaphorische Beschreibung klingt, lässt sich empirisch erstaunlich gut absichern. In Untersuchungen realer Wartesituationen zeigte sich, dass stärkere Langeweile mit dem Eindruck eines langsameren Zeitverlaufs und einer stärkeren gedanklichen Beschäftigung mit der Zeit verbunden war. Ähnliche Befunde finden sich unter kontrollierten Bedingungen und in virtuellen Wartesituationen. Eine neuere Untersuchung zeigte erneut, dass mit zunehmender Langeweile die subjektiv wahrgenommene Geschwindigkeit der Zeit abnahm. Die Formulierung von der „Sichtbarkeit der Zeit“ besitzt damit einen psychologischen Kern: Wenn eine Tätigkeit Aufmerksamkeit nicht mehr hinreichend bindet, kann die Zeit selbst stärker zum Gegenstand des Erlebens werden. Dabei ist zwischen der Schätzung objektiver Dauer und dem Gefühl zu unterscheiden, wie schnell oder langsam Zeit vergeht. Man kann ziemlich korrekt wissen, dass zehn Minuten vergangen sind, und zugleich das Gefühl haben, sie hätten kein Ende genommen. Das alte „Die Zeit vergeht nicht“ ist wissenschaftlich betrachtet keine bloße Fehlmessung der Uhr, sondern eine Aussage über die Erlebnisqualität ihres Verlaufs.
Dass aus erzwungener Leere tatsächlich eine Tätigkeit entstehen kann, die ihre Herkunft aus der Langeweile nicht verleugnet, hat Xavier de Maistre auf besonders elegante Weise vorgeführt. Nachdem er wegen eines Duells zweiundvierzig Tage in seinem Zimmer bleiben musste, erklärte er dieses Zimmer kurzerhand zum Reisegebiet und schrieb seinen „Voyage autour de ma chambre“. Bett, Sessel, Bilder, Schreibtisch und die wenigen Schritte zwischen ihnen wurden zu Stationen einer Expedition, deren Komik gerade darin liegt, dass sie die gewaltige Literatur des Reisens auf einen Raum von wenigen Quadratmetern zusammenschrumpfen lässt. De Maistre behandelt die Beschränkung nicht dadurch, dass er sie ignoriert, sondern indem er sie übergenau ausmisst. Wo nichts geschieht, wird das Vorhandene so lange angesehen, bis es wieder etwas hergibt. Das ist beinahe das Gegenmodell zum Smartphone. Der heutige Wartende verlässt das Zimmer ohne aufzustehen, weil ihm innerhalb einer Sekunde die ganze Welt auf dem Bildschirm zur Verfügung steht. De Maistre dagegen macht aus dem Umstand, dass ihm gerade keine andere Welt zur Verfügung steht, eine Reise. Die eine Technik beseitigt die Beschränkung, die andere verwandelt sie.
Genau diese Lücke wird gegenwärtig beseitigt. Die moderne Aufmerksamkeitsökonomie ist in einem bislang unbekannten Maße damit beschäftigt, jeden unbesetzten Moment zu identifizieren und mit einem Angebot zu versehen. Früher mussten Medien darauf hoffen, dass jemand eine Zeitung aufschlug, das Radio einschaltete oder sich vor den Fernseher setzte. Heute begleitet das Medium seinen Benutzer und wartet auf die kleinste Schwäche der Situation. Eine rote Zahl erscheint, jemand hat reagiert, irgendwo ist etwas geschehen oder soll zumindest den Eindruck erwecken, als sei etwas geschehen. Selbst das Nichts besitzt inzwischen eine Benutzeroberfläche. Daran ist zunächst nichts mysteriös und auch nichts schlechthin Neues, denn Menschen haben sich immer zerstreut, Geschichten erzählt, Karten gespielt, getrunken, Spaziergänge gemacht, Musik gehört, schlechte Romane und gute Zeitungen gelesen. Niemand saß jahrhundertelang würdevoll am Fenster und betrieb Existenzphilosophie. Neu ist vielmehr die Lückenlosigkeit, mit der Zerstreuung verfügbar geworden ist, und damit die Umkehrung des Verhältnisses: Wir müssen die Ablenkung nicht mehr suchen, sondern sie sucht uns.
Damit verändert sich auch die Langeweile selbst. Sie wird nicht mehr überwunden, indem eine Tätigkeit gewählt wird, die tatsächlich interessiert, sondern vorsorglich daran gehindert, überhaupt als Zustand in Erscheinung zu treten. Gerade deshalb kann sie sich mit Tätigkeit verbinden. Der Mensch scrollt, antwortet, tippt, hört nebenher Musik, sieht während des Essens ein Video, liest während einer Fernsehsendung Nachrichten und prüft während eines Gesprächs sein Telefon, wobei die Vielzahl der Tätigkeiten den Eindruck einer hohen Erlebnisdichte erzeugt, obwohl jede einzelne so wenig bindet, dass sie durch die nächste ersetzt werden muss. Die charakteristische Form moderner Langeweile könnte deshalb nicht die Untätigkeit, sondern die rastlose Tätigkeit sein: eine Folge kleiner Verrichtungen, deren eigentliche Funktion darin besteht, keinen Augenblick entstehen zu lassen, in dem die Frage auftauchen könnte, weshalb man sie überhaupt verrichtet.
Auch dafür liefert die psychologische Forschung einen interessanten begrifflichen Unterbau. Langeweile wird inzwischen häufig nicht einfach als Mangelzustand, sondern als funktionales emotionales Signal verstanden. Bench und Lench haben vorgeschlagen, sie als einen Mechanismus zu begreifen, der anzeigt, dass die gegenwärtige Tätigkeit oder Zielverfolgung ihren motivationalen Wert verloren hat und ein Wechsel zu anderen Zielen angezeigt sein könnte. Westgate beschreibt Langeweile ähnlich als Information darüber, dass die aktuelle Form kognitiven Engagements nicht funktioniert. Der Zustand wäre danach nicht bloß eine Defizienz, sondern eine Aufforderung zur Veränderung. Gerade hier wird die moderne Dauerablenkung interessant, denn sie beantwortet dieses Signal möglicherweise, bevor dessen Gegenstand überhaupt erkannt worden ist. Wer sich fünf Sekunden langweilt und sofort eine andere kleine Stimulation aufruft, wechselt zwar die Tätigkeit, ohne deshalb notwendig zu verstehen, weshalb die vorige ihn nicht mehr gebunden hat. Die Botschaft wird beantwortet, bevor sie gelesen worden ist.
Gerade an diesem Punkt ist die empirische Forschung zu digitalen Medien interessanter, als eine einfache Kulturkritik vermuten ließe. Dass Menschen bei Langeweile zum Smartphone greifen, ist inzwischen gut belegt. Daraus folgt jedoch keineswegs, dass die Langeweile damit zuverlässig verschwindet. In einer Feldstudie mit Promovierenden, deren Smartphone-Nutzung während der Arbeit objektiv protokolliert wurde, griffen die Teilnehmer häufiger zum Telefon, wenn sie müde oder gelangweilt waren. Nach stärkerer Smartphone-Nutzung berichteten sie jedoch nicht weniger, sondern mehr Müdigkeit und Langeweile. Das Gerät erscheint hier als Antwort auf einen Zustand, dessen Beseitigung es gerade nicht garantiert. Diese zeitliche Folge bezeichnet jedoch einen Zusammenhang, keine eindeutige Kausalität.
Noch deutlicher wurde diese eigentümliche Rückkopplung in experimentellen Untersuchungen zum digitalen Wechselverhalten. Versuchspersonen konnten Videos entweder kontinuierlich ansehen oder durch Vor- und Zurückspringen, Überspringen und Wechseln stärker kontrollieren. Gerade jene Möglichkeiten, mit denen man der aufkommenden Langeweile entkommen wollte, konnten das Gegenteil bewirken. Häufigeres Wechseln erhöhte die Langeweile und verringerte Aufmerksamkeit und Befriedigung. Die Pointe ist für eine Kultur der permanenten Wahlmöglichkeiten beträchtlich. Nicht nur der Mangel an Reizen kann langweilen. Auch die jederzeit verfügbare Möglichkeit, einen Reiz sofort durch einen anderen zu ersetzen, kann verhindern, dass sich überhaupt jene Bindung bildet, deren Fehlen anschließend als Langeweile erlebt wird. Damit erhält die Behauptung von der motorisierten Langeweile einen empirischen Unterbau. Der nächste Reiz wird gesucht, weil der gegenwärtige nicht genügt, während gerade die Gewohnheit des sofortigen Wechsels dazu beitragen kann, dass er nicht mehr genügt. Aus einem Mittel gegen Langeweile kann auf diese Weise eine ihrer Reproduktionsbedingungen werden. Die Langeweile und ihre technische Bekämpfung bilden dann keinen einfachen Gegensatz mehr, sondern einen Rückkopplungskreis.
Langeweile besaß neben all ihren unangenehmen Eigenschaften eine brutale Ehrlichkeit, weil sie einem mitteilte, dass die Welt nicht verpflichtet ist, interessant zu sein. Ein beträchtlicher Teil der modernen Medien- und Konsumwelt beruht auf der gegenteiligen Annahme. Alles soll interessant, relevant, aufregend oder wenigstens neu sein. Restaurants sollen Erlebnisse bieten, Reisen unvergesslich sein, Serien süchtig machen, Städte Eventcharakter besitzen, Arbeit Sinn stiften, Freizeit optimiert werden und selbst Ruhe erscheint als ein Programm, das man mit geeigneter App sachgerecht durchführen kann. Das Interessante ist aus einer Eigenschaft zum Imperativ geworden, und genau dadurch tritt ein Problem hervor, das Georg Simmel an der Großstadt unter anderen Bedingungen beschrieben hat: Die Steigerung der Reize führt nicht notwendig zu einer Steigerung der Empfindungsfähigkeit, sondern kann deren Abstumpfung bewirken.
Dabei wäre es zu einfach, Langeweile lediglich mit einem niedrigen Erregungsniveau gleichzusetzen. Die Forschung beschreibt sowohl schläfrige, unteraktivierte Formen als auch unruhige und agitiert erlebte Langeweile. Der gelangweilte Mensch kann träge auf dem Sofa liegen, er kann aber ebenso rastlos von Tätigkeit zu Tätigkeit wechseln, weil keine davon die gewünschte Bindung herstellt. Gerade diese Verbindung aus fehlendem Engagement und gesteigertem Bewegungsimpuls ist für die Gegenwart aufschlussreich. Das äußerlich hohe Aktivitätsniveau beweist nichts über die innere Beteiligung. Die Psychologie kennt daher neben dem situativen Zustand der Langeweile auch eine dispositionelle Langeweileneigung, also individuelle Unterschiede darin, wie häufig Menschen in solche Zustände geraten. Neuere Arbeiten versuchen diesen sogenannten Trait Boredom ausdrücklich vom momentanen State Boredom zu unterscheiden. Damit wird eine weitere Differenz sichtbar, die im Alltagsbegriff meist untergeht: Es gibt eine langweilige Situation, es gibt das momentane Gefühl der Langeweile, und es gibt Menschen, die dazu neigen, sehr unterschiedliche Situationen immer wieder als langweilig zu erleben. Die Welt und die Langeweile sind also keineswegs deckungsgleich.
Diese Unterscheidung schützt zugleich vor einem kulturkritischen Kurzschluss. Wer von einer „langweiligeren Gesellschaft“ spricht, kann mindestens drei verschiedene Dinge meinen: dass Situationen häufiger Merkmale besitzen, die Langeweile begünstigen, dass Menschen in bestimmten Situationen häufiger akute Langeweile erleben oder dass sich die individuelle Neigung verstärkt hat, sehr unterschiedliche Situationen als langweilig zu erfahren. Die Forschung trennt deshalb situative Langeweile von boredom proneness, also einer relativ stabileren Neigung zu wiederkehrenden Langeweileerfahrungen. Untersuchungen haben diese dispositionelle Langeweileneigung unter anderem mit Schwierigkeiten bei länger aufrechterhaltener Aufmerksamkeit in Verbindung gebracht, ohne dass daraus folgt, jede gelangweilte Person besitze grundsätzlich ein Aufmerksamkeitsproblem. Auch für die digitale Gegenwart ist diese Differenz relevant. Forschungsarbeiten finden einen positiven Zusammenhang zwischen Langeweileneigung und problematischer Nutzung digitaler Technologien beziehungsweise Smartphones. Ein solcher Zusammenhang beweist keine einfache Kausalrichtung. Menschen können digitale Medien intensiver verwenden, weil sie sich leichter langweilen, während bestimmte Formen digitaler Nutzung ihrerseits Bedingungen schaffen können, unter denen kontinuierliche Aufmerksamkeit schwieriger wird. Interessanter als eine monokausale technische Erklärung ist deshalb ein System gegenseitiger Verstärkung, in dem Disposition, Situation, Aufmerksamkeit und mediale Umgebung miteinander interagieren.
Wer ständig stimuliert wird, benötigt stärkere oder jedenfalls neue Stimulation, sodass eine Gesellschaft entstehen kann, in der niemand sich langweilen muss und zugleich eine diffuse Langeweile überall gegenwärtig ist. Man scrollt nicht deshalb weiter, weil alles so interessant wäre, sondern weil das Gesehene nicht genügt. Der nächste Reiz soll retten, woran der vorherige gescheitert ist. Noch ein Video, noch eine Nachricht, noch eine Pointe, noch eine Katastrophe, noch jemand, der irgendwo etwas Ungeheuerliches gesagt hat. Es entsteht eine industrielle Rastlosigkeit, bei der die Langeweile nicht verschwindet, sondern motorisiert wird. Der gelangweilte Mensch des 19. Jahrhunderts lag auf einem Sofa und betrachtete die Zimmerdecke. Der gelangweilte Mensch des 21. Jahrhunderts bewegt den Daumen. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die zweite Form leichter mit Aktivität verwechselt werden kann.
Zwischen diesen Formen liegt eine ganze Literatur der Langeweile. Baudelaire gibt ihr im „Spleen“ das Wetter, die Zimmer, den schweren Himmel und jene eigentümliche Mischung aus Erstarrung und innerer Unruhe, in der der Ennui längst keine bloße Beschäftigungslosigkeit mehr bezeichnet. Der Spleen ist eine Erkrankung des Verhältnisses zur Welt, in der die Dinge vorhanden bleiben, aber ihren Glanz und ihre Dringlichkeit verlieren. Gerade darin liegt der Unterschied zu der heute geläufigen Vorstellung, Langeweile werde schon dadurch beseitigt, dass nur genügend etwas geschieht. Bei Baudelaire geschieht durchaus etwas. Paris ist voll, laut, modern und im Umbau begriffen. Gerade in dieser Fülle setzt sich der Spleen fest. Die äußere Ereignisdichte schützt also keineswegs vor jener inneren Ereignislosigkeit, die den Gegenständen ihre Bedeutung entzieht.
Samuel Beckett wusste viel über Situationen, in denen Menschen warten und nicht recht wissen, worauf. Seine Figuren besitzen allerdings nicht unser heutiges Arsenal zur Beseitigung des Wartens. Estragon und Wladimir haben kein Smartphone. Hätten sie eines, wäre „Warten auf Godot“ entweder erheblich kürzer oder vollkommen unaufführbar, weil sie Godot irgendwann eine Nachricht schicken würden: „Kommst du noch?“ Zwei blaue Häkchen würden anzeigen, dass er sie gelesen hat, worauf keine Antwort käme. Die zeitgemäße Fassung des Stücks könnte in diesem Detail bereits vollständig enthalten sein. Becketts Warten besitzt jedoch einen entscheidenden Vorzug: Es lässt sich nicht verdecken. Die Figuren sind der Zeit ausgeliefert, sie reden, streiten, erinnern sich, vergessen, spielen und wiederholen sich, wodurch das Nichts nicht beseitigt wird, sondern Form gewinnt. Heute besitzen wir bessere Mittel, ihm auszuweichen. Ungeklärt bleibt nur, wohin.
Gerade Beckett zeigt dabei noch einmal mit besonderer Schärfe, dass Tätigkeit die Langeweile keineswegs notwendig aufhebt. Estragon und Wladimir beschäftigen sich durchaus. Sie reden, streiten, erinnern sich, vergessen, ziehen einen Schuh aus und wieder an, spielen mit Gedanken und wiederholen Vorgänge, deren Zweck längst verschwunden ist. Das Entscheidende besteht darin, dass all diese Tätigkeiten das Warten nicht beenden. Sie ereignen sich innerhalb der Langeweile. Damit rückt Beckett dem gegenwärtigen Zustand eigentümlich nahe, denn auch heute wird die leere Zeit mit Handlungen angefüllt, ohne dass daraus notwendig eine erfüllte Zeit entsteht.
Die Abschaffung der Langeweile gehört damit zu derselben Entwicklung wie die Abschaffung zahlreicher anderer Zumutungen. Wir warten weniger, suchen weniger, verirren uns weniger, vergessen weniger und wissen schneller Bescheid. Navigationssysteme verhindern Umwege, Suchmaschinen ersparen langes Nachschlagen, Streamingdienste beseitigen Sendepausen, und künstliche Intelligenz verkürzt inzwischen sogar jene Intervalle, in denen man früher über eine Formulierung, eine Information oder ein Problem nachdenken musste. Das sind reale Fortschritte, deren Nutzen nicht dadurch verschwindet, dass sie Nebenwirkungen besitzen. Fortschritt kann jedoch mit dem Problem zugleich Erfahrungen beseitigen, die sich an dieses Problem geheftet hatten. Wer sich nicht mehr verirrt, verliert auch den Zufallsfund. Wer niemals warten muss, erfährt Zeit anders. Wer jede Wissenslücke augenblicklich schließen kann, lebt anders mit Nichtwissen. Wer jede Langeweile sofort unterbricht, erfährt irgendwann nicht mehr, was nach einigen Minuten hinter ihr hervorgetreten wäre.
Dort liegt keineswegs notwendig Genialität. Es kann auch gar nichts dort liegen, was bereits deshalb eine Erfahrung wäre, weil das Nichts gegenüber dem permanenten Angebot einen eigentümlichen Vorzug besitzt: Es behauptet nicht, für uns gemacht worden zu sein. Langeweile gehört insofern zu jenen unangenehmen Zuständen, deren vollständige Abschaffung einen Verlust bedeuten kann. Ähnlich wie Schweigen, Einsamkeit oder Dunkelheit ist sie zunächst etwas, dem man entkommen möchte. Gerade deshalb verändert sich die Erfahrung, wenn dieser Ausweg jederzeit und ohne Verzögerung bereitsteht. Es geht dabei weder um Askese noch um digitales Fasten und schon gar nicht um die Vorstellung, ein Mensch werde moralisch verbessert, wenn er dreißig Minuten lang sein Telefon nicht berührt. Es geht um den schlichteren Umstand, dass Erfahrung auch darin besteht, dass die Welt gelegentlich nichts anbietet und dass dieser Mangel nicht unverzüglich technisch behoben wird.
Denken beginnt häufiger in solchen Zwischenräumen, als eine Kultur der permanenten Produktivität wahrhaben möchte. Ein Gedanke taucht auf, weil kein anderer Reiz ihn verdrängt. Eine Erinnerung kehrt zurück, weil gerade nichts Interessanteres geschieht. Man bemerkt einen Gegenstand, ein Geräusch oder eine Veränderung des Lichts, weil der Blick nicht bereits auf das nächste Angebot gerichtet ist. Ebenso kann man feststellen, dass man sich langweilt, was weniger belanglos ist, als es klingt, weil Langeweile nicht notwendig einen Mangel der Welt bezeichnet, sondern ebenso einen Mangel unserer Beziehung zu ihr. Wer sich langweilt, erfährt für einen Augenblick, dass Bedeutung nicht automatisch geliefert wird, sondern erzeugt werden muss.
Gerade darin liegt der merkwürdige Zusammenhang von Tätigkeit und Langeweile. Die alte Langeweile zwang den Menschen gelegentlich dazu, eine Tätigkeit zu finden. Die neue produziert Tätigkeiten in einer Menge, die verhindert, dass die Langeweile überhaupt noch eindeutig wahrgenommen werden kann. Man ist beschäftigt, ohne engagiert zu sein, stimuliert, ohne interessiert zu sein, informiert, ohne etwas wissen zu wollen, und bewegt sich durch eine Kette von Verrichtungen, deren Geschwindigkeit darüber hinwegtäuscht, dass das Verhältnis zur Welt dabei erstaunlich passiv bleiben kann. Nicht die Tätigkeit beseitigt dann die Langeweile, sondern die Tätigkeit ist ihr Kostüm.
Damit lässt sich auch ein scheinbarer Widerspruch des ganzen Gedankengangs auflösen. Wenn von einer Abschaffung der Langeweile gesprochen wird, ist damit nicht behauptet, Menschen seien im digitalen Zeitalter tatsächlich weniger gelangweilt. Abgeschafft werden soll vielmehr ihre offene Erscheinungsform, jener unverdeckte Zustand, in dem zunächst nichts zur Hand ist, womit die leere Zeit gefüllt werden könnte. Gerade während diese offene Langeweile verschwindet, kann eine zweite Form anwachsen, bei der das Subjekt permanent tätig bleibt und dennoch kein stabiles Engagement erreicht. Die Abschaffung betrifft dann die Situation, nicht notwendig das Gefühl. Insofern kann die Gegenwart gleichzeitig eine gewaltige Maschine zur Vermeidung der Langeweile errichtet haben und eine Kultur hervorbringen, in der Langeweile besonders häufig beklagt wird. Sobald Engagement und bloße Stimulation unterschieden werden, löst sich der scheinbare Widerspruch auf. Reize können nahezu unbegrenzt vorhanden sein, während die Fähigkeit oder Gelegenheit, sich von einem Gegenstand hinreichend lange beanspruchen zu lassen, zugleich abnimmt. Die Welt wäre dann nicht reizärmer, sondern bindungsärmer geworden.
Noch nie standen einem einzelnen Menschen so viele Bilder, Texte, Filme, Stimmen, Spiele, Nachrichten und Informationen zur Verfügung, und noch nie war Zerstreuung billiger, schneller und vollständiger organisiert. Dass dennoch kaum eine Epoche so rastlos nach dem nächsten Reiz sucht, ist kein Widerspruch. Es kann vielmehr die präziseste Beschreibung dessen sein, was aus der Langeweile geworden ist, nachdem wir beschlossen haben, sie abzuschaffen.
Quellen und wissenschaftliche Hinweise
John D. Eastwood, Alexandra Frischen, Mark J. Fenske und Daniel Smilek: „The Unengaged Mind: Defining Boredom in Terms of Attention“, Perspectives on Psychological Science, 7, 2012, S. 482–495, DOI 10.1177/1745691612456044. Heft 5. Stabiler DOI-Link.
Erin C. Westgate und Timothy D. Wilson: „Boring Thoughts and Bored Minds: The MAC Model of Boredom and Cognitive Engagement“, Psychological Review, 125, 2018, S. 689–713, DOI 10.1037/rev0000097. Heft 4. Stabiler DOI-Link.
Shane W. Bench und Heather C. Lench: „On the Function of Boredom“, Behavioral Sciences, 3, 2013, S. 459–472, DOI 10.3390/bs3030459. Heft 3. Stabiler DOI-Link.
Andrew Hunter und John D. Eastwood: „Does State Boredom Cause Failures of Attention? Examining the Relations Between Trait Boredom, State Boredom, and Sustained Attention“, Experimental Brain Research, 234, 2016, DOI 10.1007/s00221-016-4749-7. Online publiziert 2016. Druckausgabe in Experimental Brain Research, 236, Heft 9, 2018, S. 2483–2492. Stabiler DOI-Link.
Joanna Witowska, Stefan Schmidt und Marc Wittmann: „What Happens While Waiting? How Self-Regulation Affects Boredom and Subjective Time During a Real Waiting Situation“, Acta Psychologica, 205, 2020, 103061, DOI 10.1016/j.actpsy.2020.103061. Stabiler DOI-Link.
Corinna S. Martarelli, David Weibel, Deian Popic und Wanja Wolff: „Time in Suspense: Investigating Boredom and Related States in a Virtual Waiting Room“, Cognition and Emotion, 38, 2024, S. 1080–1094, DOI 10.1080/02699931.2024.2349279. Heft 7. Stabiler DOI-Link.
Wanja Wolff, Sena Özay-Otgonbayar, James Danckert, Maik Bieleke und Corinna S. Martarelli: „Effort and Boredom Shape Our Experience of Time“, Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 178, 2025, 106375, DOI 10.1016/j.neubiorev.2025.106375. Perspektivenbeitrag. Stabiler DOI-Link.
Katy Y. Y. Tam und Michael Inzlicht: „Fast-forward to Boredom: How Switching Behavior on Digital Media Makes People More Bored“, Journal of Experimental Psychology: General, 153, 2024, S. 2409–2426, DOI 10.1037/xge0001639. Heft 10. Stabiler DOI-Link.
Jonas Dora, Madelon van Hooff, Sabine Geurts, Michiel Kompier und Erik Bijleveld: „Fatigue, boredom and objectively measured smartphone use at work“, Royal Society Open Science, 8, Heft 7, 2021, Artikel 201915, DOI 10.1098/rsos.201915. Stabiler DOI-Link. Beobachtungsstudie mit 83 Promovierenden über drei Arbeitstage, stündlichen Selbstberichten und objektiver Android-Nutzungsprotokollierung. Der Rekrutierungsplan wurde vorzeitig beendet und die Auswertung ist explorativ. Die zeitlich gerichteten Zusammenhänge erlauben keine eindeutige Kausalaussage.
Johann Wolfgang Goethe: Brief an Carl Friedrich Zelter vom 3. Dezember 1812. Primärbeleg für Goethes Verwendung des Begriffs „taedium vitae“ und seine autobiographische Bezugnahme auf den „Werther“. Der Brief reagiert auf den Suizid von Zelters Stiefsohn und enthält die Formulierungen „taedium vitae“, „nur zu bedauern, nicht zu schelten“ sowie den autobiographischen Verweis auf Werther. Digitalisat des Briefwechsels.
Johann Wolfgang Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, Dritter Teil, Dreizehntes Buch.
Xavier de Maistre: Voyage autour de ma chambre, 1794. Ausgangspunkt ist der Hausarrest nach einem Duell, aus dem de Maistre die literarische Reise durch das eigene Zimmer entwickelt. Arrest in Turin nach einem Duell, gewöhnlich auf 1790 datiert, 42 Tage und 42 Kapitel. Die Ausgabe trägt Turin 1794, wird auch als Lausanne 1795 verzeichnet. Digitalisat des französischen Textes.
Charles Baudelaire: Les Fleurs du mal, insbesondere die „Spleen“-Gedichte und „Au Lecteur“, als literarische Ausformungen von Ennui, Spleen, Erstarrung und Reizüberdruss. Französische Erstausgabe: Paris, Poulet-Malassis et de Broise, 1857. Faksimile der Erstausgabe.
Samuel Beckett: En attendant Godot, 1952, beziehungsweise Waiting for Godot, 1953, als paradigmatische literarische Darstellung eines Wartens, das durch Tätigkeit strukturiert, aber nicht aufgehoben wird. Französische Buchausgabe: Paris, Les Éditions de Minuit, 1952. Französische Uraufführung 1953. Die englische Fassung entstand später. Verlagsnachweis.