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Lucky Strike!

oder

Wie werde ich richtig

glücklich?

von

Goedart Palm 

 

 

Die einzige ernsthafte Frage, um die es auf Erden geht, bevor sie uns weder die wohlverdienten Grabbeilagen in unserem Miniatur-Taj-Mahal auf dem städtischen Friedhof "No-Name-Ost" reichen, noch uns mit wohlriechenden Essenzen einbalsamieren oder gar eine Legion Klageweiber greinend mit dem Kopf ein paar Dutzend Mal gegen die Betonwand laufen lassen, lautet: "Wie werde ich zu Lebzeiten glücklich, d.h. reich, berühmt, schön und bleibe dabei gesund?"

Oder ist das bereits die Quadratur des Kreises, weil zumindest reiche Menschen niemals glücklich sein können? Gibt es gar eine ausgleichende Gerechtigkeit schon während unseres Erdenwallens: Entweder reich oder glücklich. "Reich macht nicht glücklich" verkündet jedenfalls das kariöse Maul des Volkes, das zugleich always ultra töricht trällert: "Froh zu sein, bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König".

Aber wie sollte das gemeine Volk einen Zustand beurteilen, den es nur als abwesenden kennt? Es macht doch nicht glücklich, in Pommery zu baden, wenn man keinen eigenen Whirlpool – mit Mätresse - im Penthouse hat, um das klebrige Zeug anschließend standesgemäß abzuspülen. Und wer löffelt schon gerne Beluga-Kaviar aus der Büchse, wenn er kein altes Familientafelsilber sein Eigen nennt? Die Vermutung ist nicht länger zu entkräften: Geld macht doch glücklich, allerdings nur, wenns eben wirklich genug ist.

Ja, aber denk doch nur an die todtraurige Märchenprinzessin Diana, die mit dem Nachttopfsammler (fact!) Charles, der eher bulldoggigere Typinnen bevorzugt, nicht glücklich wurde. Was hatte Dumdudeldi von ihren überquellenden Apanagen, fürstlicher Abfindung nach Vollzug der Mutterschaft und dem bordeauxfarbenem Angeber-SL ohne einen echten Herzensprinzen? Dodi lief zwar gut an, kam sogar auf Hochtouren, aber schoss dann doch ein wenig übers glückliche Nahziel hinaus.

Andererseits mögen doch unglückliche Gesichter von Reichen wie Lazy Di pure Strategie sein, um sich nicht dem gelbgrünen Neid der Armen und Enterbten, Witwen und Waisen auszusetzen. Happiness is just another word for nothing left to loose? Da sei der Teufel, mindestens aber Beelzebub, Scheitan oder Janis Joplin vor. Wir glauben diesen Urbanpreisbrecherblues nicht. Jedenfalls kann in den abgeklärten Zeiten turbokapitalistischer Selbstbereicherung doch nicht dieser Ammenmärchen-Hans im Glück oder singende Baumwollpflückersklaven jene Glückliche sein, die wir werden wollen. Der Turbokapitalismus zielt doch nicht auf die Glückseligkeit aller, weil es ja dann keinen mehr gäbe, den man abzockt, unter die kalte Dusche des Sozialamts oder noch besser: in die Wüste schickt, wo vielleicht Milch und Honig, aber eben weder Pommery noch Austern fließen - so nichts sagend bis rotzig auch der Geschmack von Austern ist und so widerlich der Auswurf im übrigen aussieht.

Glück zu Lebzeiten ist jedenfalls eine schwierige Sache, weil die Knüppel bzw. Baiseballschläger aus fremden Säcken zwischen unseren Beinen zahllos sind. Hinter jeder Ecke unseres holprigen Lebenswegs lauern sie, die ehrlosen Glücksabschneider und Neidhammelherden: Schon in Kindergarten und Schule klauen sie uns das Pausen-Milkyway, Mama zwingt uns zu sinnlosen Hausaufgaben und sexueller Enthaltsamkeit, Schulen und Ausbildungplätze sind diabolische Stätten unauslotbarer Gemeinheit: Ihr, die hier eintretet, lasst jede Hoffnung fahren. Der Rest ist schnell erzählt: Vom täglichen Mobbing über den Steuerbescheid bis zur Ablehnung der Zusatzrente eröffnen sich Landminenfelder des zivilisierten Unglücks, selbst wenn wir zufällig von Krieg, Hungersnot, Rinderwahn oder Krebs verschont geblieben sein sollten. Aber wer wird schon verschont?

Also handeln einige sidolinklare Meisterdenker "Vom Glück, nicht geboren zu sein". Immerhin hängen sie selbst so am Leben, dass sie darüber trieftraurig räsonnieren – und natürlich regelmäßig so steinalt und todesunwillig werden, dass sie im Regelfall noch ein halbes Dutzend staatlicher Ehrungen entgegennehmen, die allein uns zugestanden hätten. Ernst - auch August nicht - genommen hat die Philosophie glücklicher Toter nur ein amerikanisches Bestattungsunternehmen im 19. Jahrhundert mit dem Jahrtausend-Slogan "Warum läufst Du halb tot herum, wenn wir Dich beerdigen können?" Das sollte mächtig Lust auf Selbstmord machen, aber kaum einer, der auf den Zug der Lemminge nach Nirgendwo aufgesprungen wäre. Der Mensch ist ein unverbesserliches Hoffnungstier, aus Prinzip und - Ernst, diesmal Bloch und nicht August zufolge - als Prinzip. Ja früher in der schlechten alten Zeit von Billy dem Kind und Winnetou für die Jugend begann der Tag - nach Wolf Wondratscheck, aber auch Sergio Leone, vor allem aber Charles Scarface Bronson - mit einer Schusswunde und mitunter war es auch neben dem gähnenden Loch im Geldbeutel das einzige Loch, aus dem es gefährlich pfiff.

Die Zeiten der fröhlichen Beerdigungsversprechen für den Abschaum der westlichen Welt sind doch lang vorbei. Von wegen! Gerade die amerikanische Bestattungsphilosophie zielt heute auf die lebendigste Lebendigkeit der totesten Leiche, die geschminkt und gut eingekleidet, mit eingeknetetem Blendaxgrinsen glücklicher aussehen soll als je zu den Hochzeiten der vormaligen Existenz. Allerdings gilt das posthume Glück als anständig bepinselte und hochgerüstete Hightechleiche nur für BewohnerInnen von Beverly Hills oder Malibu-Beach, die es sich leisten können, ihre degenerierten Pudel mit hochtoupiertem Haupthaar mindestens zwei Mal wöchentlich zur Pediküre und später im Palisandersarg auf den Hundefriedhof zu schicken.

Sind wir also auf der Suche nach dem Glück beim Kosmetiker richtig, der nach Karl Kraus ja den kompletten Kosmos der Frau besorgt? Es ihr besorgt? Natürlich nicht, abgesehen davon, dass dieser Chauvi-Spruch sich einer unseligen, auch von mir geteilten oder geviertelten Leidenschaft verdankt, Wörter schon für der Weisheit letzten Schluss zu halten. Schönheit und Gesundheit schließen sich in unseren Zeiten kaputter Körper in desto schmuckeren Hüllen aus - wie nicht nur karzinogene Silikonpalastvorbauten, sondern auch infarktgefährdete Sportfittis zeigen. Lollo Ferrarri musste gar mit dem Leben bezahlen für ihre hängenden Fleischblumengärten, die jedes aufgeblasene Michelin-Gummimännchen lässig überbieten und vor Neid erblassen lassen würden, wenn es nicht schon titanweiß wäre: Titten, die wie Mühlsteine ins Grab ziehen. Merkspruch für Nettumbies: Silikon macht zwar rund, aber nicht glücklich!

Sollte man das Glücksprogramm mit seinen unzähligen Widerhaken und moralischen Tellerminen ebenfalls beerdigen, so lange nur jen- bis abseitige Beta-Versionen mit jederzeitiger Absturzgefahr existieren? "Don´t worry, be happy" funktioniert nur als Fünf-Minuten-Terrine für Hit- und Shitmaker, die ihr Bio-Betriebssystem mit Ecstasy auf Schwundstufe heruntergefahren haben - eine Lebenszeit wird dadurch noch lange nicht erträglich durchlitten. Sind Glückssucher nicht so verloren wie jene spanischen Konquistadoren, die El Dorado hinter jeder nächsten Ecke witterten und doch nur im Katzengold wühlten, von Montezumas allfälliger Rache und schließlich von der tödlichen Doris Kurare eingeholt wurden? Findet nur der sein Glück, der es nicht sucht? Das wäre fatal, heißt es doch andererseits, jeder sei seines Glückes Schmied. Auf Sprichwörter ist ungefähr so viel Verlass wie auf schwarze Parteibuchhaltungen, wenn sie von Kohl im Untersuchungsausschuss erläutert werden.

Es scheint vermessen, den richtigen Weg zum Glücke alleine einzuschlagen, wenn der Weg dorthin mit verdrehten Hinweisschildern so verstellt ist, dass weder der Weg das Ziel ist noch sich umgekehrt aus diesem Blödspruch irgendein ein Dreigroschensinn ergäbe.

Die Beatles haben noch den Maharishi Yogi Bär (Wer? Na der mit den klebrigen Haaren bzw. dem ewigen Vorhergesicht und dem Dollarleuchten in den Augen) teuer bezahlt, um wenigstens die direkte Verbindung ins Nirvana seines Bankkontos zu finden. Zumindest hat der Yogi im Lotus- oder Klositz - indische Sanitärriten sind sehr sonderbar - damit die Frage "Wie werde ich reich, also glücklich?" für sich äußerst erfolgreich beantwortet. "Happiness is a warm gun" intonierten dagegen wieder die inzwischen voll erleuchteten Beatles und was immer das für uns Nichterleuchtete heißen sollte (gekauft haben wir diesen Wirrsing in Scheiben jedenfalls!) – holte es schließlich John Lennon ein, als die, nicht das Magnum auf ihn gerichtet wurde. Allerdings nicht warm, sondern eiskalt und daher eben auch wieder nicht glücklich. Also sch(l)ussgültig: Der Maharishi war für die Liverpoolpilze der falsche Weg als Ziel oder umgekehrt oder so ähnlich wie anders.

Morgen um sieben, wenn die Welt wieder in Unordnung gerät, müssen wir uns also die drängende Frage neu vorlegen: "Wie finde ich den richtigen Guru, also ein persönliches Glücksbärchen, das Thomas Gottschalk (auch so ein glücklicher Name) noch nicht im Mund gehabt hat?" Vielleicht könnte uns doch die allmächtige Psychoanneliese oder eine ihrer Freundinnen Aufschluss über den rechten Pfad der achtfachen Belichtung des Unbewussten geben. Endlich Herr im eigenen Haus werden, sich entödipalisieren, alle Neu- und Altrosen los werden: Außer Mutti gibt’s noch andere Frauen auf dem Weg zum Glück. Das ist doch ein brauchbares Wissen! Aber die Psychoanalyse hat den bisher ungelösten Nachteil, dass man über kurz oder lang seinem Analytiker einen Heiratsantrag macht. Das wäre zwar im Prinzip kein Fehler, weil nach ca. 3.000 Couchsitzungen der Mann oder die Frau eine echte Mitgift von uns bekommen haben. Aber wer will schon in offen polygamen Verhältnissen leben, wenn Analytiker einen ganzen Stall von mitgiftigen Patienten haben, die alle heiratswillig, mindestens aber beziehungsgestört sind.

Dann lieber einen kostengünstigen Psycho-Ratgeber aus der Remittendenkiste von Bouvier, Schlugendübel oder der Havaria-Fachbuchhandlung. In diesen Tagen fällt die Wahl des richtigen Advisers allerdings schwer, weil die Bestsellerlisten nur so von Lebensberatern strotzen, die alle, aber wirklich alle versprechen, uns auf schnellstem Wege von unserer schäbigen, sperrmüllüberreifen Altexistenz zu befreien, damit wir endlich wahre Genossen einer vorwärtsstürmenden Zeit werden. Trug einen schon die Bibel nicht ins gelobte Land von Silicon Valley, East of Eden, tut es vielleicht die Prise "autogenen Glücks" ins rechte oder linke Nasenloch - aber kräftig ziehen! Joseph Murphy, Dale Carnegie, Vincent Peale, Vincent Price, Peter Lauster, Napoleon Hill, Napoleon Solo, Josef Kirschner, Josef Goeb..stop! (Zweiundhalb Antworten sind falsch, finden Sie sie, Herr Jauch?) und die anderen Glücksverkäufer zu Dumping-Preisen wetteifern heute um die Gunst von Leuten, die immer noch heimlich glauben, ein Buch wäre ihr bester Freund, weil sie ohnehin kein Schwein, noch weniger eine Sau liebt. Jene, die nicht weiterhin als graue Büroexistenzen, Dauer-Loser und gesellschaftliches Kroppzeug ihre Schrumpfstufenexistenz fristen wollen, machen sich mit diesen Ratgebern auf den Weg ins Reich des Glücks. Und der führt geradewegs durchs Reptiliengehirn - potzblitz, Zarathustra steh mir bei - in die höchsten Aufgipfelungen des Menschseins. So hämmern sich die Gutgläubigen bzw. Treudoofen des gesunden Geistes im VHS-Kurs die Formeln in den Schädel: "Ich werde reich und berühmt, bleibe gesund und schön - also bin ich glücklich."

Was – je nach Standpunkt - der Schöpfer oder die eigenen Eltern schändlichst verbrochen haben, wird jetzt vom abgenabelten und aufrecht voranstolpernden Menschen selbst in die Hand genommen. Besser in beide Hände, um hier keine falschen Vorstellungen jenseits der Bettdecke aufkommen zu lassen. Ab aufs Reißbrett der besten Persönlichkeit, die je auf Erden lebte. Mach dich zu dem, wovor dich deine Eltern nicht warnen konnten, weil die außer Wüstenrot, Augentrost und Altersrente keine Zeit fürs wahre Menschsein hatten.

Die autogen(ial)en Programme sind indes nicht ganz unanstrengend, weil schlechte Gewohnheiten und alter Seelendreck hartnäckig an deiner verschwiemelten, verschwurbelten Altexistenz kleben. Schlechte Gewohnheiten sind zäh. Hirsebrei mag gesund sein, aber Roastbeef schmeckt eben erheblich besser. Zuerst kommen die Pralinen und dann die Moral, hat so oder doch sehr ähnlich Brecht gesagt. Die Mutter Courage gegenüber dem inneren Rindviech beschäftigt die meisten so zu Lebzeiten, dass sie keine Zeit finden, ein wahrer Drecksack zu werden. Männer sind glückliche Schweine, meinst Du, weil Du außer den Ärzten nur noch die Hit-Intros Deines Handys kennt? Von wegen, wären Männer vielleicht gern, aber bei den meisten reichts nicht mal zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz.

Wie sind glückliche Männer wirklich? Na vielleicht doch eher so (Zara gewidmet):

Jack, Du hast den LUCKYMAT (wahlweise: LUCKIFIER) aus rostfreiem Edelstahl doch schon ausprobiert. Bist Du jetzt glücklich? Marc, seitdem ich, meine Frau, meine Kinder und meine Meerkatze den LUCKYMAT haben, geht’s uns richtig gut.

Jack, ist der LUCKYMAT denn wirklich so einfach zu bedienen? Ganz einfach, Marc, selbst meine dreijährige Tochter, die viele Jahre in psychotherapeutischer Einzelhaft saß, weiß schon, wie man mit wenigen Handgriffen den LUCKYMAT zum Singen bringt.

Jack, großartig, und Du hast Dir auch gleich das praktische Set mit 23 Zusatzdüsen für nur 23 $ besorgt, um noch genauer dosieren zu können. Genau Marc, morgens eine kleine Prise LUCKYROL, guck hier, in diese kleine, sehr einfach zu handhabende Kartusche füllen, Schraubverschluss zu und schon ist der LUCKYMAT einsatzfähig.

Toll Jack, das sieht wirklich sehr, sehr einfach aus. Marc, und was das Beste daran ist...und so weiter und so

Schrott.

Goedart Palm

 

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Copyright. Dr. Goedart Palm 1998 - Stand: 28. Mai 2014.