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Was mich an Bach stört, ist das ewige Rechthaben. 
Novalis, lange vor Camus gesagt: Selbsttötung als der „ächte“ philosophische Akt, der Anfang aller Philosophie.
Einige Ausführungen zu Nine/Eleven >> 6.Jahrestag - so to speak
Der  Erfolg der "Maschinenmusik" von Kraftwerk war der, dass sie so klangen, wie Menschen glauben, dass Maschinen klingen, wenn sie Musik machen. Die "Menschmaschine" war pure Prätention, aber eine, die wichtig wurde, weil man wusste, dass es Musik geben würde, die nicht mehr von Menschen komponiert wird. Reine Maschinenmusik wäre für Menschen eher nicht erträglich, dann warum sollten Maschinen auf wahrnehmungspsychologische Mechanismen von Menschen abstellen. Nichts anderes gilt für die Ästhetik (Mafarka).  
Achtung! Nicht vergessen: Lest Leo Perutz, wenn Ihr gute, nicht zu schwergewichtige Belletristik sucht. 
Gerade (12.08.2007) eine superlangweilige Werbung von IBM auf Telepolis mit drei Mini-Filmchen gesehen. Es ist unglaublich, geniale Werbeeinblendungsmöglichkeiten so zu verschenken, weil der Begriff der "Werbung" bei den meisten Werbemachern schon a priori verhunzt ist. Sie wissen um ihre eigene Moral und vertrauen dem Produkt so wenig wie der Idee der Werbung. Die, die das Gegenteil behaupten, sind die Schlimmsten. Werbung unter diesen Auspizien kann nur funktionieren, wenn man beim Werbemachen an etwas anderes denkt. Mit anderen Worten: Nur paradoxe Werbemacher könnten gute Werbung machen, was mitunter aber vielleicht nichts anderes als Nichtwerbung ist. Das heißt, wie man auch immer wirbt, es bleibt ein Rätselspiel, das allerdings bei vielen Profis schlecht aufgehoben ist.

Statt dessen sollten die Leser sich dem gleichzeitig erschienenen Filmmusik-Essay von Peter Brinkemper widmen, da lernt man mehr über Wahrnehmungsweisen als bei unseren synergetisch hilflosen Werbefuzzis. 

Quake 4: das Landschaftsdesign - einschließlich der "Innenarchitektur" - hat beeindruckende Momente, wenngleich diese aufgemotzte Piranesi-Ästhetik in viele Spielen stilbildend zu beobachten ist. Es sind Reisen in das Innere, Traumlandschaften, die immer weniger daran glauben lassen, dass Träume Wunscherfüllungen sind. Im Traum geht es um die Erholung von der anstrengenden Ich-Identität. Im Prinzip bin ich gegen Zensur, aber die Schnittberichte zur "Ab 16-Fassung" sind wenig geeignet, darin einen Fehler zu sehen. 
Gustave-Moreau Museum
14, rue de La Rochefoucauld,
F-75009 PARIS
France - in den siebziger Jahren fragte ich nach dem Weg und zwei Häuser entfernt vom Museum erklärte mir eine Anwohnerin in dieser Straße gebe es ganz sicher kein Museum. So besitzen mindestens 90% eines Volkes "ihre" Kultur. 
The One Armed Swordsmen (1976) mit David Chiang: Zu den Gründen, diesen Film zu sehen, später. Prima vista: Der Italo-Western ist im Eastern angekommen. Das ist Multikulti. Filme mit Migrationshintergrund. 
Trivia: Nicolas Cage hat eine Großmutter, die aus Cochem an der Mosel stammt. Ich habe einen Großvater, der dort herkommt. Also wenn das nichts beweist. 
Sind Testamente die Rache der Toten an den Lebenden? Folgt man den verästelten Interpretationen der Rechtsprechung zum Willen des Erblassers wird es schwer, das anders zu sehen. 
V for Vendetta (Drehbuch, Wachowski-Brüder): Das konnotative Kunstwerk schlechthin, zugleich ein Machwerk. Gunpowder heißt Faschismus, 1984, Konzentrationslager, Guantanamo, Biotechnologie, Bioterror, Kulturindustrie, Clint Eastwood respektive El Topo (Metallplatte als Kugelschutz), Montana Sacra, Neocons, klerikale Pädophilie, Situationismus, Spaßguerilla, WTC,  Zorro etc. in eine Granate packen und dann den Zünder auslösen. Es gibt keine Zufälle, wir bewegen uns also in einem deterministischen Universum. Ideen sind kugelsicher. Für einen Comic eine wichtige Botschaft, da gerade hier doch Ideen so gefährdet sind, ja geradezu im Verdacht stehen, ideenfrei zu sein. V ist eine Freiheitserzählung mit höchster platonischer Intensität. Permanent geht es um die Frage der Wahrheit, die ähnlich wie das kantische Strafprogramm, auch dann noch realisiert werden muss, wenn die vormaligen Protagonisten längst tot sind, aber die historische Botschaft als überhistorische keinen Aufschub mehr duldet. Eine Apologetik des Mediums: Wir sagen die Wahrheit, indem wir lügen. Aber wieder trifft uns die alte Kreter-Frage, die hier ironisiert wird. Als der Folterminister V fragt, warum er denn nicht tot sei, verweist dieser auf den Unterschied zwischen Fleisch und Ideen. Das entspricht zwar der weiteren Filmlogik, doch - anders noch als Clint Eastwood oder El Topo - ist der Held nicht "bulletproof". Im platonischen Ideenrettungsprogramm, an dem Menschen auch ein wenig teilhaben (Methexis), gibt es ein abgespecktes Prinzip Hoffnung. Seit Matrix wissen wir, dass Hugh Weaving aka V aka Agent Smith geklont werden kann und folglich Überleben möglich ist. Für V ist das aushaltbar, weil er weiß, dass die Geliebte ihn im Tod liebt und er mehr nicht erwarten kann. Er hatte sich an seine Existenz als genetischer Überlebensklumpen gewöhnt und E-V holt ihn noch einmal kurz in das romantische Programm, die andere Todesbekämpfungsweise, zurück. Seine eigentliche Transzendenz sind die maskierten, d.h. uniformierten Massen, die sich, indem sie sich dazu bekennen, erst zu wahren Individuen werden.   

 

Remember, remember the fifth of November,
The gunpowder, treason and plot,
I see of no reason why gunpowder treason
Should ever be forgot.
Guy Fawkes, Guy Fawkes, 'twas his intent
To blow up the King and the Parliament.
Three score barrels of powder below,
Poor old England to overthrow:''
By God's providence he was catch'd
With a dark lantern and burning match.
Holloa boys, holloa boys, make the bells ring.
Holloa boys, holloa boys, God save the King!
Hip hip hoorah!
Herr, gib mir meine täglichen Tantiemen. Wieder eine Überweisung des Suhrkamp-Verlags auf meinem Konto. Der warme Regen. Allerdings könnte man sich davon keinen Band aus der edition suhrkamp leisten, von Remittenden-Kisten abgesehen. 
Perlenketten bei Kaufhof (31.01.2007). Frauen greifen nach 3 Euro-Ketten mit der Begehrlichkeit, die frühere Kolonisatoren schon ausnutzen. Ich interessiere mich auch dafür. Ich bin ein Eingeborener wie jeder, der sich dem Glanz und Glitzern nicht entziehen kann. 
Nach Diktat verreist, Nach Diktat vergreist, Nach Diktat vereist.  

Spiegel online, 27.01.2007: "Japans Schulen, wo traditionell Leistungsdruck und rigide Disziplin herrschen, sind der konservativen Regierung inzwischen zu lasch. Leichte Schläge auf den Kopf seien völlig in Ordnung, meint der Ministerpräsident. Selbst die Lehrergewerkschaft findet Prügel richtig." 

Der Ex-Terrorist Christian Klar richtet ein Gnadengesuch an den Bundespräsidenten Horst Köhler, um nach zwanzig Jahren Haft entlassen zu werden. Angeblich soll Klar von Günter Gaus zu diesem Schritt motiviert worden sein. Einigen öffentlichen Kommentatoren fehlt die Reue. Kann man sich Reue leisten, wenn man zwanzig Jahre sitzt, einen politischen Glauben besaß und sein Leben daran setzte, ihn zu verwirklichen. Diese Reue kann nicht ernsthaft diskutiert werden. 
Die Blogs kommen auch wieder aus der Mode (25.01.2007). Meistens ist die Qualität inakzeptabel, privatistisches Gerede im öffentlichen Brackwasser, vor allem aber die Konkurrenz ist genau so gut wie schlecht. Keine Gründe zu lesen. 
Auch Caroline von Monaco, 50. Geburtstag, 23.01.2007. Dieses Jahr trifft es viele, die ich kenne. Was gibt es darüber zu sagen? Ein immerhin nicht ganz unerheblicher Erfahrungszeitraum, die Chance auf ein bisschen Weisheit vor der Senilität. 
Schlechte Zeiten für Postkarten. Warum sollte man heute noch Urlaubsfotos machen, wenn Sie bereits alle im Netz veröffentlicht sind? Es gibt keine Ansichten mehr, die man vor Ort erwerben müsste, jenseits derer, die man selbst anfertigt. Die große Zeit der Idiosynkrasien bricht an. Ein bloße Ansicht, generalistisch, unpersönlich etc. behauptet sich nicht. Deswegen ist auch ein großer Teil des Pixelschrotts, den heute Webseiten zieren, überflüssig. Sebastian Haffner hat sich in einer Glosse über Postkarten in den dreißiger Jahren ausgelassen. Demgemäß sind Texte in diesem Kontext sinnfrei. Wir waren da, nicht mehr und nicht weniger. 
Bei der Lektüre Martin van Crevelds: Militärhistoriker, die keinen Propagandaauftrag zu erledigen haben, sind meistens sehr sachliche Leute. Vergleiche Karl Marx zu von Clausewitz. 
Das Renato Guttuso Bild "Caffé Greco" (1976) stand vermutlich Pate für die Immendorff-Cafe-Bilder. Das Cafe ist malerisch ein guter Ort, eine Kleingesellschaft zu produzieren. Allein die soziologischen Aussagen sind bescheiden und weder Guttuso noch Immendorff machen eine politische Aussage. 
Die Stofflichkeit von Vuillard. Bunte Stoffe, die Stofflichkeit wird dupliziert. Bei Vuillard wurde die Malerei so pastos, dass Ihre Stofflichkeit ein Wirklichkeitsbeweis ist. 

„Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin. Das ist ein Wandel, der mich selbst befremdet. Was ist geschehen? Wann ist es geschehen? Habe ich mich verändert? Oder das Theater? Liebe ich es nicht mehr, oder liebe ich es zu sehr?“ (Roland Barthes). 

So ging es mir mit dem Kino, doch das Medienereignis DVD macht immerhin den Film wieder attraktiver, wenn auch nicht das Kino, diesen Ort der Nichtgemeinsamkeiten mit einem Publikum, das mich stört. "Popcorn" ist zumindest der Untergang meines Abendlandes. 

Von der Nigeria-Connection bekomme ich mein täglich E-Mail, aber heute war ich sehr enttäuscht. Man bot mir diesmal nur 20% von 8,5 Mio Dollar für meine Transferleistungen. Schon fühlte ich mich aufgerufen, mich zu beschweren, dass diesmal lediglich eine so geringfügige Summe beiseite geschafft wurde. Wenn man schon von fiktivem Geld redet, ist es ungehörig, den Adressaten mit solchen Kleinigkeiten zu behelligen. Die Provision reicht nicht mal für eine vernünftige Villa in Malibu. Manchmal rätselt man wirklich darüber, was diese Menschen denken, vor allem, wie wenig sie an die imaginäre Zukunft ihrer Opfer denken (04.12.2007). 
Ist der fehlende Widerstand des Materials das neue Problem der Ideen? Hier ist viel auszuführen. Denn es geht nicht nur um die Technik, die unser Schreiben etc. beeinflusst (Stichwort: Nietzsches Schreibmaschine). 
Der Sinn des Silvesterfeuerwerks: das Schicksal beschießen, die Zukunft töten. (Januar 2007)
„Postmodern“ war eines der letzten Wörter, das annäherungsweise Aussagen zeitlich kontexualisierte, ohne das tradierte Epochenschema völlig zu verlassen. Ab jetzt ist es schwer, eine Zeit nach der Moderne zu bezeichnen, zudem Moderne längst so abgestanden klingt, dass „industrielle Antike“ passender wäre. Wir können auch nicht „ewig“ in der Neuzeit leben, zudem das Neue selbst immer anämisch wird, wie es seine Idee will. Wir wissen also nicht, in welcher Zeit wir leben. Das ging vorhergehenden Zeiten auch so, aber das hinderte die Zeitgenossen nicht, ihre Zeit zu etikettieren. Ohne „Time Branding“ ist das Signum dieser Zeit.
Nicolás Gómez Dávila behauptet, keine Meinungen zu haben. Doch das entscheiden nie wir selbst. Wie viele landen auf dem Scheiterhaufen, vor dem Kadi oder erleiden die Fährnisse einer aggressiven Öffentlichkeit, die nie vorhatten, eine Meinung zu haben.
Youtube - Pro Tag werden 65000 Clips neu eingestellt und ca. 100 Millionen Videos betrachtet – laut Spiegel online, Ende 2006. Wahrscheinlich ist Andy Warhols Prognose über die 15-Minuten-Berühmtheit grundfalsch. Denn wie kann Berühmtheit noch entstehen, wenn die Aufmerksamkeitszeiten ständig fallen und zugleich die kulturellen Manifestationen aller Art permanent wuchern? Zuletzt bleibt uns nichts anderes übrig, als uns selbst zu bewundern. Perfekter Mediensolipsismus. Perfekter Medienkannibalismus. (Januar 2007)
Die Hinrichtung von Saddam Hussein am 30.12.2006 wird bis zu dem Zeitpunkt gezeigt, als ihm die Schlinge um den Hals gelegt wird. Pietät? Tyrannenmord als Nebensache für den real player. Das Schicksal wird auch durch journalistische Obsessionen entsorgt, die einer botmäßigen Technik folgen. Wiederholung ist eine Herrschaftsform. Ein Ewigkeitsversprechen, was Nietzsche dann schließlich auf den Höhepunkt trieb: Die Wiederkehr des Immergleichen. Nicht als Programmversprechen von TV-Sendern, sondern als metaphysisches Schwergewicht. Most Viewed (Today) in Comedy ist bei “You Tube” die Hinrichtung Saddam Husseins. Nachtrag: Inzwischen kursiert ein Video mit der Darstellung der gesamten Hinrichtung. 
„Gespräch zwischen Andreas Johannes Wiesand und dem Künstler Klaus Staeck über die Autonomie der Kunst, den Kommerzialisierungszwang und über den Tod auf ...“ sehe ich gerade im Netz. Ach ja, die Autonomie der Kunst gab es nie. Als ob nicht alles Regelwerk wäre. Nicht nur die extrinsischen Momente, staatliche, gesellschaftliche Zwänge, mehr noch dieses Regelwerk in jedem Künstler, auch jenen, die ihre Freiheit proklamieren. Arnold Gehlen nannte das die "innere Galeere", aber es muss kein Frondienst sein, sondern eine normative Ästhetik, die sich aufdrängt wie die Identität. Wir gehorchen Zwängen, die wir nicht einmal mit Namen nennen können und entscheiden uns dann für den nichts begreifenden Begriff: Freiheit.
Man schreibt nicht die Dinge auf, die man denkt, sondern schreibt auf, um zu wissen, was man denken kann. Schreiben ist mehr als nur ein Verfertigen der Ideen beim Schreiben. Die Ordnungen des Textes sind von der Niederschrift vorhanden, aber sie sind weniger als Schall und Rauch, wenn sie nicht verdinglicht werden. Text ist also ein Fetisch.
Die meisten Extrapolationen auf die Zukunft lassen sich von gegenwärtigen Wahrnehmungen respektive Sinneseindrücken leiten. Du siehst einige Kopftücher und zugleich verwandeln sich die christlichen Kirchen in Moscheen. Geschichte folgt nicht jeder Kassandra.
"Mein Freund Harvey": Der Pooka löst alle deine Probleme, wenn du bei dir bleibst. James Stewart nennt sein Rezept, entweder "smart" oder "pleasant", letzteres ist weniger anstrengend. 
Alte Filme sehen wie in alten Räumen wandeln. Man kennt sie und doch wird man überrascht. Filme werden in der Wiederholung oft spannender, ein Prozess, der aber nicht beliebig verlängert werden kann. Mit anderen Worten: Die Wiederholung setzt erst ein, wenn man den Film einige Male gesehen hat. 
Gewissen ist Macht. Diese Phrase fiel mir ein und längst gibt es sie. Das Internet zerstört permanent den Traum von der eigenen Originalität. 
Am Tag des jüngsten Gerichts. Gott gibt dir in allen Punkten Recht: Deine Religion, deine Kultur, deine Lebensweise waren richtig, die der anderen falsch. Endlich jemand, der dir mit voller Autorität Recht gibt. Allein der Rebbe weiß, dass jeder diese Erfahrung macht. Da capo. 
Texte kürzen ist mitunter wie abtreiben. Verleger und Leser werden am Tag des jüngsten Gerichts Schwierigkeiten haben, dieses Nadelöhr zu passieren. 
In den fünfziger Jahren sahen alle Menschen gleich aus. Irgendwann werden sie das auch über euch sagen. Der historisch generalisierende, entdifferenzierende Blick. 
Manche Menschen glauben, ihre Irrationalität würde das Gegenüber mit Emotionalität verwechseln und darum schätzen oder gar lieben. 
Wenn die Wahlen von externen Kräften gesichert werden müssen, wird die Demokratie, die diesen Wahlen folgt, nicht minder sein. Demokratie lässt sich regelmäßig nicht von außen produzieren.
Hilary Putnams Analysen haben regelmäßig einen oder mehrere Punkte in der Darlegung, wo ein oder zwei Sätze ergänzender Vortrag das Verständnis enorm fördern würden. In diese Leerstellen schreiben diverse Vertreter der Zunft hinein, was bekanntlich zur üblichen Logik des Wissenschaftsbetriebs gehört. Whitehead hat dem gemäß die gesamte Philosophie nach Platon als Fußnoten zu dessen Texten erklärt. Aber wie viel Pose steckt in dieser Feststellung, die sich schließlich doch über Hunderte von Seiten ergießt.  
Warum werden Menschen in helfenden Berufen zu Menschenverächtern? Sie sehen wie klein Menschen werden können und verachten sich, weil sie wissen, dass sie auch so klein wären. Oder sehen sie ihre Größe?
Wir sehen Fotos von Menschen, die wir getroffen haben, ohne das daraus eine Geschichte geworden wäre. Der nostalgisch-virtuelle Blick. Wenn es so gelaufen wäre ... Ausführen
Sämtlichen Museen dieser Welt, die Bilder zeigen, fehlen nach meiner nicht ganz kleinen Statistik wichtige Hinweise. Welcher Seh-Abstand ist für welches Bild zu wählen? Denn der Abstand entscheidet bei den meisten Bildern über ihre Wirkung. Selbstverständlich kann man Perspektiven ändern, forschen etc. Doch der Idealabstand ist eine wichtige Größe und hier mag man den Ideen des Malers folgen. 

Beleidigungsscholastik. Konrad (5 Jahre, Oktober 2006): „Loch“ ist keine Beleidigung. Also ist die Beleidigung "A" nichts anderes die Beleidigung "Al". Und das geht noch weiter: Sagt man "Aal", mögt ihr jenes darunter verstehen, ich aber dieses. 

Als Papa streikte ... so hieß doch dieses nicht geschriebene Buch. 
Fake it or leave it. 13.10.2006
Traumarchitekturen: Mir sind die Visionen von Felix Ziem sehr geläufig, schade, dass es keine digitale Traumkamera gibt, jedenfalls noch nicht, dann wären die wirklich aufregenden Bilder zu machen. Die Psychoanalyse bietet leider wirklich zu oft einen puerilen Symbolismus, wie es Lovecraft mal genannt hat. Die wirklich untergründigen, tief liegenden Bildschichten, um nicht von Archetypen zu reden, um die es eben auch nicht geht, sind begriffslose Bilder der Imagination, die irreduzibel und "inkommensurabel" auf nichts als sich selbst verweisen. Erst wenn man das akzeptiert hat, kann man wieder sein Begriffsinstrumentarium auspacken und auf die Urbarmachung des Erhabenen hoffen. 10.10.2006
Kinderwissen: Einfachheit kann präzise sein, das vergessen Erwachsene, die meistens mit einem unterkomplexen Begriff von Komplexität durch das Leben gehen. 
Man benötigt einen Ratgeber in religiösen Konflikten. Nur wer soll dieses Vademecum verfassen? 
Der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany erklärt: Den Wähler habe man morgens, mittags und abends belogen. Die Regierung habe "alles verbockt" etc. Darauf regt sich Volkszorn. Und in der Tat, das Verhalten des Ministerpräsidenten ist unverzeihlich. Selbstverständlich weiß jeder, dass man permanent von Politikern aus Gründen des höheren Gemeinwohls und Ähnlichem belogen wird, aber es doch comment, dass nur der Wähler oder Kritiker dergleichen sagen darf. Hier droht Rollenkonfusion. 20.09.2006 
Wer von seinem Glauben überzeugt ist, kann nicht leicht provoziert werden. 
Roger Willemsen als Kabarettist. Für mich als Helmholtzianer und Duisdorf-Kenner interessant und auch gut vorgetragen. Jedenfalls um Lichtjahre besser als einige dieser Pseudostars, die außer aufgewärmten Instant-Witzen nichts zu bieten haben. Was Willemsen verbessern sollte: weniger inszenierte Larmoyanz, die auch augenzwinkernd vorgetragen nicht ganz überzeugt. An einigen Stellen sollte er zudem "entkalauerisieren", denn die Geschichte mit dem Kartenspiel, dessen Sieger durch die Wahl der Fliege festgestellt wird, ist alt, uralt. (16.09.2006)
Die Klage über die Informationsfluten, abgesehen von ihrem performativen Selbstwiderspruch, dem Müll noch mehr Müll hinzuzufügen, ist gegenstandslos. Denn die informationsverwertenden Maschinen werden genau so nachwachsen wie die Müllverbrennungsanlagen und unendliche Filter. Allerdings hatte die Menschheit Zeit genug, eine Selbstberuhigungsdialektik zu entwickeln, dass Gift und Antidot sich so entwickeln wie das Antidot wieder zum Gift ... ad infinitum. Aber für Weltuntergangsapostel bzw. Apokalyptiker ist diese Struktur viel zu aufwändig. (12.09.2006)
Antiterrorkampf: Keine Berichterstattung, nichts, null. Das funktioniert selbstverständlich nicht wirklich, weil die Medien sich darauf nicht verständigen können. 
Ein Fundstück (ca. 1999): Leo verabschiedet sich von einem Brunnen: “Tschüß Brunnen”. Das haben wir Erwachsenen vergessen. Unsere Abschiede nehmen wir kaum je wahr. Wir bewegen uns in den Illusion ewiger Wiederkehr. Keiner zählt die Abschiede, die kleinen Tode.
Unwissen. Längst entwickeln sich Partikularsprachen, die nicht mehr lebensweltlich einzuholen sind. Zum arcanum der Rechner gehören ihre Sprachspiele, die eine immer höhere Exklusivität der Teilnehmer voraussetzen. Hier entsteht eine neue Form der Wissensherrschaft, exponentiell wachsend.
Jenseits der Signatur. Was Malerei ist, können nur Maler wissen, aber selbst diese kommen oft nicht zu dem Punkt, aus der Malerei heraus zu schaffen, sondern kleben an Konzepten und Materialvorstellungen. Erst wenn der Prozess fließt, die Malerei den Maler verdrängt, erst dann zeigen sich ihre Möglichkeiten. Der Prozess überflutet das Ich. In Texten sind die Abläufe regelmäßig komplizierter, weil der Logos sich nicht verdrängen lässt, immer wieder Kontrollen auftauchen. Automatische Schreibweisen haben sich nicht institutionalisiert, wurden nicht zu Gattung.
Ein Fundstück - Eiskunstlauf im Fernsehen 23.03.1999. Eiskunstlauf im Fernsehen, einer der Läufer winkt fröhlich in die Kamera. Leo winkt zurück und lacht ihn an, ist aber sogleich unzufrieden, weil der ihn nicht mehr anguckt, sondern in eine andere Richtung seine Grußhände verteilt.
HAL (2001) singt zum Ende: “Hänschen Klein” - zuletzt sind wir auch allein und regredieren, zurück zum Leib der Mutter, imaginär. Wir sind HAL. Es gibt keine Scifis, die nicht der Gottschöpfungstheorie Feuerbachs folgen. 
Möbilierung des Denkens. Wer ohnehin Probleme hat, lässt bestimmte Gedanken nicht zu, die ihn noch weiter beschweren. Ein freier Geist wäre ein unbelasteter oder einer, der Zuflucht sucht bei Gedanken, die seine Sorgen vertreiben. Kein Denken ohne diesen Pragmatismus, der Rücksicht auf den Denkenden nimmt. Gedanken sind wie Möbel, auf denen man ruht. Paradigmatisch sind unsere Denklandschaften mit Möbeln ausgestattet, die unterschiedlich bequem sind. Stühle vermitteln mehr Wachsamkeit als Sofas, in Betten verkriecht man sich und wer will schon auf Dauer auf einem Hocker sitzen? Es gibt Wasserbetten und Hängematten, der Geist wird geschont und strapaziert. Irgendwann gehört das meublement auf den Sperrmüll.
Ein Fundstück: Leo meint in der Badewanne: “Der Schwamm macht Pipi” (März 1999). Vorgänge werden aus anderen Vorgängen “erklärt”. Unsere Weltbilder sind auch nichts anderes als Erklärungen aus Vorerklärungen, Ableitungen, die uns passend erscheinen, weil niemand zu uns sagt: “Ein Schwamm kann nicht Pipi machen”.
Spiegel Online, 29.08.2006: "Nachdem das Filmstudio Paramount Pictures Tom Cruise rausgeworfen hat, muss sich der Schauspieler mit einem schlechteren Deal und neuen Geschäftspartnern zufrieden geben. Braucht Hollywood seine Stars nicht mehr?" Das genau ist die crux der Spiegelwelterschließung. Eine weitere Irrung des Tom Cruise und schon droht das Starsystem zu fallen. Jedes Ereignis muss hegelianisch gesalbt werden, weil Ereignisse ohne Trendanzeige banal sind oder schlimmer: keine Ereignisse sein könnten. Die richtige Frage lautet eher: Braucht die Welt diese Weise der Berichterstattung respektive Meinungsbildung? Die Antwort dürfte ambivalent ausfallen und wir werden sie an anderer Stelle geben. 
Aus einem Spam-Mail: "Diese Seite hier ist nichts mehr für schwache Nerven und sprengt jeden guten Rahmen der Sittlichkeit." Hätte sich Platon das als Werbung für das etwas andere Freizeitvergnügen vorstellen können? Vermutlich braucht es starke Sitten, um höchste Lüste zu garantieren. Der M. de Sade wusste das bis zum allfälligen Exzess. Die Dialektik indes  bleibt: Wer zu viel von Sittlichkeit redet, um seine Lustbarkeiten anzupreisen, entlarvt sich als Anti-Libertin, zumindest im Versuch seiner Selbsttäuschung. 
August Koelle, vielleicht der erste Technikphilosoph, 1822: "Die Technik befreundet den Menschen mit der Natur." Das ist gut gesagt. Lichtjahre von Rousseau entfernt. 
Das sind schon deshalb keine klassischen Blogs, weil ich sie jederzeit korrigieren würde. Das Ethos der "Schreib hin wie gedacht, Fehler sind authentisch"-Mentalitäten ist mir fremd. 
Hätte man als Einziger dieses Medium besessen, wäre man einer der Mächtigen gewesen, was immer man unternommen hätte. Doch man hätte nie der Einzige sein können, weil die Apparatur eben bei den Empfängern vorausgesetzt wird. Selten, trotz diverser Staatsdiktaturen, war eine wirklich völlig gleichgeschaltete Macht in instantaner Vermittlung. (19.08.2006) 
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