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Virtualität

Randbemerkung zur

Virtuellen Öffentlichkeit

Es ist ein Gemeinplatz, dass das Netz ein Gemeinplatz ist. Auf dem digitalen Jahrmarkt der Eitelkeiten wird die Selbstentäußerung zum letzten kick der Suche nach sich selbst, fremde Alltäglichkeit zum aufregendsten Drama einer reizhungrigen Öffentlichkeit. Inszeniert wird das, was nicht inszeniert werden muss: Das allen Vertraute, Allzuvertraute. Während zuvor Stadtguerilleros, linksradikale Aufklärer oder Autonome als hoffnungsfrohe Medienpartisanen davon träumten, Massenmedien mit Piratensendern und Flugblättern Paroli zu bieten, ihrem Votum mediales Gewicht zu verleihen, agitieren im globaldemokratischen Dorf keine Politik-Aktivisten, sondern Alltagstypen "spielen" Alltagstheater. Das Private stülpt sich nach außen, die Öffentlichkeit trifft sich anonym per mouseclick in fremden Intimsphären, in der sich Intimät als gewöhnlichster Exhibitionismus feiert. Webcams demokratisieren sich zum Massenmedium des kleinen Mannes und seiner Frau, die nichts zu sagen, aber fast alles zu zeigen haben. Eröffneten vormals Schlüssellöcher die verpönte Perspektive in fremde Intimitäten, regiert jetzt das digitale Panoptikum eines ungezügelten Voyeurismus. In der Anonymität des Netzes menschelt es, auch wenn letztlich nur eine einsame Masse zugeschaltet wird, die in der sanften Tyrannei der Intimität öffentliches Leben sucht.

Goedart Palm


 

 

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens

Verlag Heinz Heise
130 Seiten
D 8,90 Euro / A 9,90 Euro / CHF 16,50

Hier: Der Mensch - ein biologisches Auslaufmodell?
Von der Anthropologie zu einer Technikphilosophie
Goedart Palm

 

Simulacron 3 - Leben wir in einer künstlich generierten Computersimulation ?

 

 

 

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Copyright. Dr. Goedart Palm 1998 - Stand: 20. Oktober 2013.